Hollywood-Schauspieler Scott Haze wird demnächst in Teil drei der „Jurassic World“-Trilogie zu sehen sein. Aber er hat auch – deutlich weniger glamourös – Regie bei der Doku über das Leben von Charles Mully geführt. Wir haben ihn gefragt, wie es dazu kam.

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Scott, warum wollten Sie ausgerechnet bei diesem Projekt Regie führen?

Scott Haze: Ein befreundetes Ehepaar, John und Judy Bardis, hat sich bei mir gemeldet und meinte, dass es da eine Story gebe, die erzählt werden müsse. Sie fragten mich, ob ich bereit wäre, nach Afrika zu gehen und ihnen dabei zu helfen. Am nächsten Morgen hatte ich das Buch über Charles Mullys Leben, „Father to the Fatherless“ von Paul Boge, vor meiner Haustür, das ich an einem Tag durchlas.

„Ich konnte es kaum erwarten zu sehen, ob das alles wahr ist und war noch sehr skeptisch.“

Ich dachte erst, ich lese da gerade ein Märchen für Kinder, oder irgendeine Erzählung, von der noch niemand gehört hatte. Ich dachte, das könnte niemals alles wahr sein. Danach habe ich John und Judy direkt gesagt, dass es mir eine Ehre wäre, mit ihnen diese Geschichte zu erzählen. Ich konnte es kaum erwarten zu sehen, ob das alles wahr ist und war noch sehr skeptisch. Ich war einfach total verblüfft, dass die Welt diese Geschichte noch nicht kannte. Charles hat so einen riesen Einfluss und ich und viele andere hatten noch nie von ihm gehört?! Er und seine Frau Esther sind eine riesige Inspiration für mich.

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Welche Erfahrung wollten Sie dem Publikum beim Gucken des Filmes bereiten?

Mein Ziel war es, einfach aus dem Weg zu treten und die Geschichte ihre Wirkung entfalten zu lassen. Denn Charles‘ Story ist die beste, die ich je gehört habe über jemanden, der sein Leben in den Dienst eines Ziels gestellt und auf einen Ruf von Gott hin Tausende Leben komplett verändert hat. Ich wollte das wenigstens zu einem kleinen Teil so einfangen, dass es ihm gerecht wird. Ein bisschen von der Magie und der Kraft seines Vorbilds, wenn es darum geht, durch unsere Taten die Leben anderer Menschen zu verändern. Was es heißt, sie zu respektieren, für sie zu sorgen, ihnen zuzuhören und sie zu fördern.

Wie war es für Sie, an dem Projekt zu arbeiten?

Es war für mich, ob als Schauspieler, Regisseur oder Autor, der größte Segen, den ich erleben durfte. Es war nicht mühsam, ich wusste jeden Tag, dass wir an einer Story mit viel Potenzial arbeiten. Herausfordernd war nur, dass wir ein kleines Team von nur drei oder vier Leuten aus Amerika hatten. Daher mussten wir einige der Ortsansässigen anleiten, die uns dann beim Filmen halfen. Im Grunde übernahmen wir die „Mully Children’s Family” und es wurde zu „Mullywood“ – so nannte Charles es. Ich bin einmal zu meinem Produzenten Lukas gegangen und meinte: „Wir brauchen 6 Hütten und einen Brunnen, wir müssen einen Brunnen graben!“ Und am nächsten Tag hatte ich schon einen fertigen Brunnen und das Set war aufgebaut. Alle haben sich versammelt, um uns zu unterstützen. Es war eine familiäre Atmosphäre, Charles wurde nicht nur zum Schauspieler, sondern auch zu meinem Kollegen mit eigenen spannenden Ideen. Diesen Film zu drehen war die beste Zeit meines Lebens, ich hab’s geliebt.

Können Sie uns etwas über die Herausforderungen des Filmens in Afrika erzählen?

Ich arbeite sehr schnell und beim Filmdreh gibt es in einem kleinen Zeitfenster viel zu tun. Kenia hat ein anderes Tempo – sie waren nicht daran gewohnt, die Schauplätze so schnell zu wechseln. Ansonsten Kleinigkeiten, wie der unterschiedliche Strom – wir haben immer wieder unser Equipment gecrasht. Aber eigentlich lief das Projekt richtig gut, ich denke, weil wir die richtigen Leute dabei hatten.

Und welcher Part hat am meisten Freude gebracht?

Als ich jünger war, habe ich meinen Vater verloren. Die Beziehung, die ich mit Charles jetzt habe, ist etwas, wovon ich immer geträumt und die ich mir gewünscht habe. Er beeinflusst mein Leben auf eine Weise, die ich nicht in Worte fassen kann, wir haben so eine besondere Verbindung. Wir verstehen, was der andere denkt, ohne zu reden. Ich musste mir sein Vertrauen wirklich verdienen und ich wusste, wenn es soweit ist, ist es meine Pflicht, dieses entgegengebrachte Vertrauen auf jedem Schritt des Weges zu ehren und aufrechtzuerhalten.

„Die Rückmeldungen waren überwältigend. Viele Menschen und Initiativen haben Kinder adoptiert oder angefangen, sie finanziell zu unterstützen.“

Welche Rückmeldungen haben Sie nach der Veröffentlichung des Filmes bekommen?

Wir haben gleich bei der Premiere, beim Austin Film Festival, den „Audience Award“ bekommen, was ich überhaupt nicht erwartet hatte. Die Rückmeldungen waren überwältigend. Viele Menschen und Initiativen haben Kinder adoptiert oder angefangen, sie finanziell zu unterstützen. Oder sich für Frauen einzusetzen, weil Charles sich sehr gegen häusliche Gewalt dort stark macht. Er setzt sich außerdem sehr für die Umwelt ein, Leute kommen zu ihm und wollen verstehen, was er tut. Das ist einfach außergewöhnlich.

Sie haben im Vorfeld betont, dass Sie die Geschichte erzählen wollen, wie sie ist, ohne die religiösen Aspekte zu verstecken. Gab es dafür Kritik?

Nein gar nicht. Ich habe diesen Film nicht für Christen gemacht, im Gegenteil. Ich meine, wenn man zum Beispiel den Film „Der Pate“ schaut, ist Don Corleone Italiener, aber er läuft nicht herum und sagt: „Hey, ich bin Italiener.“ Genauso ist Charles nicht unterwegs und sagt: „Hey, ich glaube an das und das“ – er ist unterwegs und hilft Menschen und erreicht sie mit Liebe, um sie zu unterstützen. Ich habe es als meine Aufgabe gesehen, die Werke von Charles und seiner Frau zu beleuchten und ihren Glauben als den Treibstoff, der sie vorangebracht hat.

Sie hatten aus Mullys privaten Aufnahmen hunderte Stunden Videomaterial über sein Leben. Wie ließ sich das mit dem neu Gefilmten verbinden?

Dazu gibt es eine witzige Geschichte. Nach unserem ersten Trip nach Kenia stand Charles eines Nachts mit einem Koffer vor mir und öffnet ihn. Darin waren mehr als 400 kleine Kassetten mit Videomaterial. Ich habe Charles gefragt, was das sei und er sagte, dies seien alle seine persönlichen Videos der letzten 20 Jahre. Ich fragte ihn, was ich damit machen soll, ob ich sie mitnehmen könnte? Er sagte: Ja, aber du musst mir versprechen, dass du gut darauf aufpasst, das sind die einzigen Aufzeichnungen meines Lebenswerks. Ich gab ihm mein Wort. Dann wollten wir über Amsterdam zurückfliegen, bevor es weiter nach Amerika gehen sollte.

„Dass Charles die Voraussicht hatte, das zu filmen, war wirklich entscheidend dafür, dass der Film so kraftvoll geworden ist.“

Das Flughafenpersonal wollte die Tapes im Koffer durchleuchten und ich hatte im Hinterkopf, dass Röntgenstrahlen echt Schaden bei sowas anrichten können. Also weigerte ich mich, das zuzulassen und hielt das Flugzeug auf, ich wurde fast verhaftet. Die Tapes waren so wertvoll und kamen wie ein Geschenk, weil ich mich bei einigen Dingen gefragt hatte, wie wir das dokumentieren wollen – und jetzt hatten wir dieses Zusatzmaterial. Dass Charles die Voraussicht hatte, das zu filmen, war wirklich entscheidend dafür, dass der Film so kraftvoll geworden ist. Ich wünschte, er hätte mir das gleich am Anfang gesagt, da das so ein Schlüsselelement für eine Dokumentation ist. Aber wir waren dann einfach sehr dankbar dafür.

Hat die Arbeit an dem Projekt Sie verändert?

Ich wollte immer mit dem, was mir gegeben ist, die Welt zu einem besseren Ort machen. So sehr ich es schätze, in Hollywood-Filmen zu spielen, oder in anderen großen und kleinen Produktionen… Innerlich ist das für mich ein sehr krasser Unterschied dazu, wenn ich die Kamera auf einen der schlimmsten Orte halte, den man sich je vorstellen könnte, wo auch noch so viele Menschen leben. Und ich sehe dort, wie Charles zu einem Kind geht, dass „Zukunft“ gar nicht in seinem Wortschatz hat, dessen Eltern vielleicht gerade ermordet wurden, oder welche furchtbare Geschichte auch dazu führte, dass ein sechs- oder siebenjähriges Kind sich prostituiert, um zu überleben.

„Charles ist das perfekte Beispiel dafür, dass alles möglich ist, wenn wir Glauben haben und hart arbeiten.“

Zu sehen, wie Charles dieses Kind rettet, es mitnimmt, ihm alles gibt, was es braucht und ihm Bildung ermöglicht, sodass es nun auf dem Weg ist, Arzt zu werden… Diese Art zu Handeln lässt mich verstehen, was Leben bedeutet. Einander auf unserer Reise zu helfen. Charles ist das perfekte Beispiel dafür, dass alles möglich ist, wenn wir Glauben haben und hart arbeiten.

Vielen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellte Liesa Dieckhoff


„Mully“ kann seit dem 13.02. kostenlos auch auf Deutsch im Stream angeschaut werden. Das geht auf der Website des Films, www.mully-film.de sowie auf der Jesus.de-Facebook-Seite.

 

 

 

 

Anmerkung der Redaktion:

Es gab die Anfrage, ob MCF in Verbindung zu Scientology steht, da der Film Mully nach der englischen Premiere 2017 auch im Facebook-Kanal von Scientology zu sehen war. Dazu hat MCF eine Erklärung abgegeben:

„Mully Children’s Family (MCF) ist eine christliche, gemeinnützige, eingetragene Stiftung (anerkannt von der Evangelischen Kirche). MCF ist bei der Regierung von Kenia registriert, anerkannt und arbeitet mit verschiedenen karitativen Initiativen, Organisationen, Institutionen und Kirchen weltweit zusammen.

Wir glauben an Jesus Christus und unterstützen in keiner Weise die Überzeugungen von Scientology.

Die Vermarktung von Mully Movie im Jahr 2017 erfolgte in guter Absicht, um die Geschichte an so viele Menschen wie möglich zu bringen. Bei der breiten Bewerbung des Films erlaubte die Marketingfirma auch dem Scientology-Fernsehsender, den Film zu zeigen.

Später gab die für das Marketing verantwortliche Person ihr Leben Christus und wurde in Ndalani, Kenia, von Dr. Charles Mully getauft.“

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