Wiedmann Bibel Leporello
Christi Geburt in der Wiedmann Bibel (Bild: Wiedmann Media AG).
Auf dem Dachboden hatte Martin Wiedmann das Lebenswerk seines verstorbenen Vaters gefunden: die längste Bilder-Bibel der Welt (siehe Teil I). Für den Sohn steht fest: Er will das Erbe seines Vaters verwalten und dessen Traum verwirklichen: Die „Wiedmann-Bibel“ einem breiten Publikum zugänglich machen. Nur wie?

Von Laura Schönwies

„Wie es der Zufall wollte, habe ich die Bilder meines Vaters in einem Lebensabschnitt entdeckt, in dem ich in den Vorruhestand ging und eins hatte: Zeit“, erklärt Wiedmann Junior. „Und da habe ich mir gedacht: Okay, er hat es nicht geschafft, versuche ich es doch einmal. Dabei stand ich im wahrsten Sinne des Wortes vor einem riesigen Berg: Alle Bücher übereinander gelegt ergeben nämlich einen zwei Meter hohen Stapel! Was macht man damit?“

Martin Wiedmann begann zunächst damit, die Bilder seines Vaters mit einem professionellen Scanner zu digitalisieren. Anschließend entwickelte er aus den digitalen Daten mit eigenen Mitteln verschiedene Produkte: eine App, eine DVD und eine Version für die räumliche Betrachtung mit einer Virtual-Reality-Brille. „Damit steht man gefühlt mitten in der Wiedmann Bibel“, erzählt er begeistert.

Die Arche Noah in der Wiedmann Bibel (Bild: Die Arche Noah in der Wiedmann Bibel (Bild: Wiedmann Media AG ®)

Die Bilderbibel habe gegenüber einer textbasierten Bibel einen entscheidenden Vorteil, meint Martin Wiedmann: „Die bildliche Darstellung lässt mehr Raum für Interpretationen und für Fantasie. Es ist spannender die Bibel so zu betrachten, als wenn man nur eine reine Bleiwüste vor sich hat“. Obwohl Bilder eine universale Sprache sprechen, so interpretiert sie jeder doch anders. „Wir haben mit Theologen Bildbetrachtungen gemacht. Es ist total interessant, wenn dann jemand Dinge und Details in den Bildern entdeckt, die ich gar nicht gesehen oder verstanden habe.“

Die Wiedmann Bibel in Buchform (Bild: Wiedmann Media AG)

Eintrag bei Guinness World Records

Große öffentliche Aufmerksamkeit bekam die Bilderbibel von Willy Wiedmann im Rahmen des „Kirchentags auf dem Weg“ am 7. Mai des vergangenen Jahres in Magdeburg. Dort wurde das Faltbuch zum ersten Mal komplett ausgerollt gezeigt. 500 Helfer waren dafür  nötig. Die Aktion war gleichzeitig auch ein erfolgreicher Weltrekordversuch. Zwar führt die Organisation „Guinness World Records“ (London) keine Kategorie „Längste Bibel der Welt“, aber seit November 2017 ist die Wiedmann-Bibel dort offiziell als größtes Leporello der Welt gelistet.

Der gedruckte Traum

Blieb noch Willy Wiedmanns Vision von einer gedruckten Fassung seiner Bibel. Und auch dies sollte Realität werden. Im April 2015 gründete Martin Wiedmann die Wiedmann Media AG, um die künstlerischen, literarischen und grafischen Werken seines Vaters vervielfältigen und verbreiten zu können. 2018 ist die Wiedmann-Bibel in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bibelgesellschaft erschienen, aufwändig gestaltet in drei Bänden. „Ich glaube mein Vater wäre zu Tränen gerührt, wenn er sehen würde, was sein Werk heute bei den Menschen auslöst“, sagt Martin Wiedmann. „Mein Motor an dieser Sache dranzubleiben sind die tollen Kommentare, Feedbacks und die Anerkennung auch von Fachleuten, zum Beispiel Theologen oder Kunstliebhabern. Viele sagen, das sei ein einmaliges Werk und ich müsse unbedingt weitermachen. Das macht mir Freude.“

Hat die Beschäftigung mit dem Vermächtnis seines Vaters ihn eigentlich persönlich verändert? „Ich muss gestehen, dass ich bis zur Entdeckung der Bilder auf dem Dachboden nicht besonders gläubig war, aber durch die Bibel meines Vaters habe ich mich viel mehr mit dem Glauben auseinandergesetzt“, sagt Martin Wiedmann. „Ich sehe die Bibel heute in einem ganz anderen Licht. So auch meine Kinder. Während sie zunächst kein großes Interesse hatten, es ihnen teilweise sogar unangenehm war, dass ihr Vater nun seine Zeit und Energie in die Verbreitung einer Bibel steckt, haben sie nun eine völlig andere Einstellung. Sie haben Freude daran und erkennen, dass das was ihr Großvater da geschaffen hat, etwas ganz Besonderes ist. Dadurch ist es ein Drei-Generationen-Projekt: Mein Vater hat es gemalt, ich, sein Sohn, führe es fort und meine Kinder machen auch noch mit. Meine Frau natürlich nicht zu vergessen.“

Teil I der Geschichte
findet ihr hier. Was bewegte Willy Wiedmann dazu,
die komplette Bibel zu malen?


Die Geschichte der Wiedmann-Bibel in bewegten Bildern:

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