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Ulf Poschardt, Chefredakteur der Zeitung „Die Welt“, hat seine Kritik an politischen Predigten bekräftigt. Der Pfarrer müsse zwar seine politische Gesinnung nicht ablegen, wenn er auf die Kanzel steigt, doch komme es auf den Kontext an: „Im Gotteshaus muss das Theologische dominieren“, sagte der Journalist der „Zeit“-Beilage „Christ und Welt“ laut Vorabmeldung vom Mittwoch.

Niemand solle mit etwas hinter dem Berg halten, betonte Poschardt. Jeder dürfe sich bekennen, aber in Form einer Predigt, nicht in Form einer „verhinderten Wahlkampfrede vor dem Biomarkt“.

Vergangene Woche hatte Poschardt eine Debatte um den politischen Gehalt von Weihnachtspredigten ausgelöst. Er twitterte an Heiligabend: „Wer soll eigentlich noch freiwillig in eine Christmette gehen, wenn er am Ende der Predigt denkt, er hat einen Abend bei den #Jusos bzw. der Grünen Jugend verbracht?“ Spitzenvertreter von Katholiken und Protestanten widersprachen daraufhin dem Vorwurf, die Predigten an Weihnachten seien zu politisch gewesen.

Poschardt erklärte nun, schon länger das Gefühl zu haben, dass Kirche zu politisch geworden sei. „Evangelische Kirchentage sind von grünen Parteitagen oft nur schwer zu unterscheiden.“ In der Politik habe die Kirche vielfach Spuren hinterlassen. „Politik ist in Deutschland viel zu sehr säkularisierte Religion“, sagte der Redakteur. Die enge Verstrickung zwischen Kirche und Politik sei „seit Luther ihr Fluch wie ihr Segen“. Die ethische Triebkraft des Protestantismus habe sowohl den Wohlstand Deutschlands begünstigt wie auch eine „ständige moralische Inquisition“.

Pfarrer: Kirchen „leer gepredigt worden“

Pfarrer Steffen Reiche, an dessen Weihnachtspredigt sich die Kritik Poschardts entzündet hatte, verteidigte unterdessen seine Predigt. Viele Gemeindemitglieder seien dankbar für seine „klaren Worte“ gewesen, sagte er der „Christ und Welt“. „Mal bin ich ein konservativer, mal ein progressiver Prediger. Im Dialog mit dem Islam beispielsweise sollten wir wahrhaftig bleiben und müssen auch über die kritischen Dinge reden und nicht immer die Augen verkleistern, wie viele Kirchenleitende das aktuell tun“, forderte der Pfarrer, der für die SPD im Bundestag saß und seit vier Jahren Pfarrer in Berlin-Nikolassee ist.

Die Kirchen seien nicht zufällig leer, sondern „leer gepredigt“ worden, erklärte Reiche. Das „Gerede“ vieler Pfarrer helfe den Menschen in ihrem Alltag nicht. „Kirche soll keine Politik machen. Aber wenn eine Predigt keine Wirkung im politischen Raum hat, dann ist es auch nicht die Botschaft Jesu“, sagte der Pfarrer.

7 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Politik soll also den Profis überlassen werden. Die Theologen kümmern sich unterdessen um das Seelenheil. Kann man es sich so einfach machen? Mir sind – ehrlich gesagt – die Prediger lieber, bei denen ich erkennen kann, wo sie stehen. Nun scheint mir das Problem von Herrn Poschardt nicht so sehr bei den politischen, sondern bei den ökologisch orientierten Predigern zu liegen. Ach ja – die Sozen mag er auch nicht. Wer am Heiligen Abend nichts besseres zu tun hat, als seine politische Meinung unter dem Vorwand einer Theologenkritik kund zu tun, ist schon zu bedauern.
    Ich möchte mich lieber über das Kind in der Krippe freuen, zu dem die Hirten kamen – Verachtete in der damaligen Zeit. Und wenn die Engel vom „Frieden auf Erden“ singen, ist damit ganz sicher nicht nur eine geistliche Tatsachee gemeint.
    Wahrscheinlich wären Herrn Poschardt auch die alttestamentlchen Propheten zu politisch gewesen. Ob er je auf einem Kirchentag gewesen ist? Eine Kirche, die in der Politik keine Spuren hinterlässt – die ist wahrscheinlich überflüssig. Eine Politik, die frei von christlichen Werten agiert, hatten wir nicht einmal zu DDR-Zeiten. Unsere europäische Gemeinschaft ist ohne christliche Werte überhaupt nicht denkbar. Die Trennung von Kirche und Staat ist ein Segen. Trotzdem sind wir Christen aufgerufen, uns einzumischen – im Namen von Jesus, dem Heiland und Herrn.

  2. Ich kenne zu wenige andere „Kirchen“ .. bei uns geht es um Gott, Jesus, den Heiligen Geist . und natürlich wird da auf uns alle eingeganen. Aber als politische Rede habe ich das noch nie gehört ! Er sollte das dann dort sagen .. und vielleicht mal andere Kirchen besuchen !

  3. Vielleicht hätte Herr Poschardt ja nichts dagegen, wenn er am Ende der Predigt das Gefühl hätte, bei einer Veranstaltung der Jungen Union oder der CSU gewesen zu sein. Ich kann mich auch des Eindrucks nicht erwehren, dass Herr Poschardt entweder noch nie bei einem Kirchentag oder noch nie bei einem Parteitag der Grünen war. Aber es ist ja in unserem Land immer gut, etwas gegen die Kirchen zu sagen, die es leier nun mal nicht allen Recht machen.

  4. Spitzenvertreter von Katholiken und Protestanten widersprachen daraufhin dem Vorwurf, die Predigten an „Weihnachten seien zu politisch gewesen.“

    Haben sie das wirklich getan? Wie wollen sie das denn beurteilen? Oder mussten die Predigten alle zur Durchsicht eingereicht werden?

  5. Ich sehe es auch so wie Poschardt und gehöre zu denen, die das bereits länger kritisieren. Die Kirche ist für alle Menschen da und nicht für eine politische Ausrichtung. Ich denke, dass die Kirche allerdings nicht nur leergepredigt wird. Ich habe einige getroffen, die sich durch ihre Herkunft, durch ihre Tradion und wegen ihrem Glauben an die Kirche gebunden fühlen, Sie gehören noch dazu, aber die Politisierung hat sie in der eigenen Kirche heimatlos gemacht. Ich sehe die Hauptverantwortung beim EKD. Die Menschen, die zur Kirche gehören und mit denen ich darüber gesprochen habe, sahen allerdings den Pfarrer vor Ort als Ursache. Natürlich spielt der Pfarrer vor Ort eine wesentliche Rolle, aber der EKD und sein Handeln, sehe ich übergeordnet und ein nicht biblischer Spruch lautet: „Wie der Herr, so das Geschirr.“

    Es gibt da in der Entwicklung aber auch noch ein weiteres Problem. Es ist ein Unterschied, ob jemand durch politisches Handeln zu Gott schaut, oder durch Gott zu politisches Handeln führt. Dabei geht es nicht um eine einseitige Richtung, denn würde in der Kirche eher die rechte politische Seite vertreten, wäre es dasselbe. Das Kernproblem wäre dasselbe. Der Mensch wird durch eine politische Moral bewertet und genau das machte Jesus nicht. Ich behaupte mal frei weg, Jesus sah den Menschen, sein Handeln, dass wie auch immer in Sünde verstrickt war und nahm dabei genauso mit Härte, aber auch mit Nachsicht dazu Stellung, denn er wollte den Weg zu Gott und nicht zu einer politischen Ausrichtung bereiten. Ich sage es mal ganz klar. Jesus ist weder für ein linke, noch für eine ökologische Ausrichtung gestorben, sondern für den Menschen, damit ihm die Tür zum Leben nach dem Tod offen bleibt. Das ist eine ganz andere, aber viel tiefere Dimension als schnöde Politik.

    Zu guter Letzt, möchte ich noch einen weiteren Punkt ansprechen. Nämlich, leider bin ich durch Latzel darauf gestoßen, die Begründung der EKD, warum man in der Kirche sein sollte. Es wurden viele Gründe aufzählt, aber ein Grund fehlte. Jesus Christus kam in der Begründung nicht einmal als metaphorische Gestalt vor. Was würde Jesus hier Strohm Bedford sagen? Was hatte Jesus den Pharisäern schon als zwölfjähriger Junge gesagt und später als Erwachsener den gesagt. Sicherlich hat er ihnen auch die Leviten gelesen, aber nicht nur das. Er hat die Gelehrten auch in Erstaunen versetzt und Jesus sagte seiner Mutter auch die Begründung. „Habt ihr nicht gewusst, dass ich im Haus meines Vaters sein muss?“ Genau das ist das Wesen des Christentums. Über Politik kann man gerne viel und kontrovers sprechen. Das mache ich auch gerne, aber es gefährlich, wenn man Politik zur Sache Gottes macht, denn dann macht man Politik zum Goldenen Kalb.

  6. Ja, genau. Zu Weihnachten wollen wir uns über die Geburt des Jesuleins freuen, uns an einem besinnlichen Krippenspiel erfreuen und überhaupt in Weihnachtsstimmung schwelgen und uns kein linksgrünversifftes Geschwafel anhören. Hier mal ein paar abschreckende Beispiele:

    >>Er tat Mächtiges mit seinem Arm, er hat zerstreut, die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn. Er hat Gewaltige von den Thronen gestoßen und Niedrige erhöht. Hungrige hat er mit Gütern gesättigt und Reiche leer fortgeschickt.<>Wohlan nun, ihr Reichen, weinet und heulet über das Elend, das über euch kommt! Euer Reichtum ist verfault und eure Kleider sind zum Mottenfraß geworden; euer Gold und Silber ist verrostet, und ihr Rost wird gegen euch Zeugnis ablegen und euer Fleisch fressen wie Feuer. Ihr habt Schätze gesammelt in den letzten Tagen! Siehe, der Lohn der Arbeiter, die euch die Felder abgemäht haben, der aber von euch zurückbehalten worden ist, schreit, und das Rufen der Schnitter ist zu den Ohren des Herrn der Heerscharen gekommen. Ihr habt geschwelgt und gepraßt auf Erden, ihr habt eure Herzen gemästet an einem Schlachttag! Ihr habt den Gerechten verurteilt, ihn getötet; er hat euch nicht widerstanden.<>Wehe euch, die ihr ein Haus ans andere reihet, einen Acker zum andern schlaget, bis kein Platz mehr bleibt und ihr allein im Lande wohnet!<< (der Prophet Jesaja)

    Und hier auch noch ein ganz schlimmes Beispiel von einem führenden Kirchenmann, man könnte meinen, es sei von Sarah Wagenknecht, ganz schlimm:

    http://w2.vatican.va/content/francesco/de/apost_exhortations/documents/papa-francesco_esortazione-ap_20131124_evangelii-gaudium.html#Nein_zu_einer_Wirtschaft_der_Ausschlie%C3%9Fung

    • Die Quellen der ersten beiden Zitate und die Absätze wurden verschluckt, das erste ist von Maria – ja, genau der – und das zweite vom Apostel Jakobus

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