„Mit Karte, bitte!“ Was an Tankstellen und in Geschäften schon längst gang und gäbe ist, war bei der Kirchenkollekte bisher nicht möglich. Das soll sich aber schon bald ändern. In Duisburg wird ab diesem Sonntag (20. Januar) zum ersten Mal der praktische Versuch eines digitalen Spendenbeutels gestartet.

Von Nathanael Ullmann

In der Salvatorkirche in der Evangelischen Kirchengemeinde Alt-Duisburg können Gottesdienstbesucher am Sonntag erstmals mit Bank- und Kreditkarte oder sogar dem Smartphone eine Kollekte spenden. In der Kooperation mit der Bank für Kirche und Diakonie (KD-Bank) hat die Gemeinde zwei Geräte entworfen, die das möglich machen, erläutert die Bank in einer Pressemitteilung. Ein stationäres Spendenterminal steht am Ausgang des Gotteshauses, ein digitaler Kollektenkorb kann durch die Reihen gegeben werden.

Der Zahlvorgang läuft dabei ohne eine PIN ab. Lediglich eine Karte oder ein Smartphone, das mit der sogenannten NFC-Technologie ausgestattet ist, sei notwendig, so Eckhard Wilms, Experte für Zahlungsverkehr bei der KD-Bank. Der Spender kann auf dem Display zwischen sechs voreingestellten Beträgen (zwischen einem und 25 Euro) wählen. Ein Kontoauszug dokumentiert die Spende und kann anschließend für die Steuererklärung genutzt werden. Für die Kirchengemeinde bleibt der Spender, ganz wie beim analogen System, anonym.

Es gibt eine Nachfrage

Pfarrer Martin Winterberg von der Evangelischen Kirchengemeinde Alt-Duisburg sieht in dem Konzept ein großes Potenzial: „Erste Nachfragen nach digitalen Spendenmöglichkeiten für unsere Kirche hatten wir bereits, besonders von jüngeren Gästen, zum Beispiel bei einer Tauffeier. Ich bin davon überzeugt, dass sich dieser Trend verstärken wird.“ Nun sei er gespannt auf die Reaktionen am Sonntag. Am digitalen Kollektenkorb sollen sich nach einer Pilotphase auch weitere Kirchengemeinden beteiligen. Unter anderem soll das neue System auch beim Evangelischen Kirchentag in Dortmund zum Einsatz kommen.

Das Thema „Digitaler Klingelbeutel“ ist nicht nur in Duisburg hochaktuell. Auch die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) hat im Juli ein Patent für einen Digitalen Klingelbeutel angemeldet. Letzterer gleicht mehr dem analogen Vorbild. So ist es hier ebenfalls möglich, Bargeld in einen Stoffbeutel zu stecken. Zusätzlich existiert jedoch eine Kontaktfläche für Giro- und Kreditkarten. Neben der steigenden Nachfrage wurde hier bei der Vorstellung noch ein zweiter Grund für die Einführung genannt: die „zunehmenden Schwierigkeiten, Bargeld bei Banken abzugeben“, so Fabian Kraetschmer, Leiter des IT-Referats des Konsistoriums in Berlin. Gerade im ländlichen Bereich gebe es erhebliche Herausforderungen wie lange Wege zu den Annahmestellen, Fahrtkosten, Einzahlungsgebühren und Verwaltung.