EKD: Keine pauschalen Entschädigungen für Missbrauchsopfer

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Mädchen
Foto: pixabay
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Die 20 Landeskirchen der Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) haben sich auf gemeinsame Rahmenbedingungen für materielle Leistungen für Missbrauchsopfer geeinigt. „Es bleibt bei der individuellen Aufarbeitung“, sagte die Sprecherin des Beauftragtenrats der EKD, Kirsten Fehrs, dem Evangelischen Pressedienst (epd). Individuelle Aufarbeitung bedeutet, dass nicht wie in der katholischen Kirche ein fester Rahmen für finanzielle Leistungen festgelegt wird, sondern dass bei jedem Betroffenen geschaut wird, welche Hilfe er benötigt. „Jedes Modell, das der pauschalen und der individuellen Leistung, hat seine Vor- und Nachteile“, sagte die Hamburger Bischöfin.

In diesem Rahmen würden materielle Leistungen gemeinsam mit den Betroffenen festgelegt, erläuterte sie. So sei es in vielen Landeskirchen bisher geschehen. Es gebe unter den Landeskirchen jedoch eine erhebliche Bandbreite, was die Höhe der Anerkennungsleistungen angeht, die seit 2010 gezahlt wurden. Es werde für die materiellen Leistungen lediglich eine Plausibilitätsprüfung geben, sagte Fehrs. Dafür brauche es unabhängig arbeitende Kommissionen. Man habe sich aber mit bereits existierenden Kommissionen über mögliche Summen finanzieller Hilfeleistungen für Betroffene ausgetauscht, die sich an gesetzlichen Schmerzensgeldbemessungen orientieren. „Wir müssen diesen Teil der Aufarbeitung jetzt in den Landeskirchen synchronisieren“, sagte Fehrs. Bis zur kommenden Synode im November wolle man da eine Einigung vorlegen.

„Wir möchten nicht, dass Menschen in eine Beweislast kommen. Entschädigung würde bedeuten, dass Betroffene ihr Leid beweisen müssten“, sagte Fehrs. Das sei nicht nur belastend für Betroffene, sondern auch in vielen Fällen schwer nachvollziehbar, weil es ein Charakteristikum des erlittenen Traumas sei, dass man Tathergänge, die oft lange zurückliegen, nicht mehr detailliert beschreiben könne.

2 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Es hat also 10 Jahre lang gedauert bis die evangelische Kirche sich bewegt? Die „schönen“ Worte könne nicht darüber hinweg blicken das dies eine Armutszeugnis für eine christliche Kirche ist.
    Alles war wichtiger als die Missbrauchsopfer und immer noch steht eine bundesweite Untersuchung der Vorfälle aus.

    Die Katholische Kirche macht es besser, weil sie handelt. Ja, Katholische Kirche macht sehr viele Fehler, aber sie versucht es richtig zu machen und das ist viel besser und richtiger als das Thema auszusitzen und zu ignorieren.

    Ich bin gut das ich kein Evangelischer Christ bin, ich bin froh das ich mich nicht für euch schämen muss!

    • Lesen hilft, Einfragender! 😉
      Während die evangelische Kirche schon 2010 Missbrauchsfälle aufgearbeitet hat und jetzt das Ganze noch einmal überprüft und aufeinander abstimmt hat die RKK damals noch gemauert und Täter ihrer gerechten Strafe entzogen – manche durften sogar anderenorts ungehindert weitermachen!

      Die EKD ist ein Dachverband von Landeskirchen und Gemeinschaften, die sich freiwillig auf eine gemeinsame Aufarbeitung geeinigt haben. Dabei war z.B. von Beginn an klar, dass Missbrauch auch strafrechtlich verfolgt werden musste. Die katholische Kirche dagegen ist zentralistisch regiert und blockiert jede Ermittlung und gerichtliche Aufarbeitung schon seit vielen Jahren. Gut, dass ich nicht katholisch bin! 😉

      Anstatt immer über die jeweils andere Konfession herzuziehen sollten wir lieber dafür sorgen, dass Missbrauch, egal wo, nie wieder passiert!

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