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Nach Expertenmeinung wäre es eine «Sensation», wenn Papst Franziskus, Israels Präsident Schimon Peres und Palästinenserchef Mahmud Abbas bei ihrem geplanten Treffen im Vatikan tatsächlich gemeinsam beten würden.

 "Ich kann mir das nicht vorstellen", sagte der katholische Theologe Andreas Renz am Dienstag dem Evangelischen Pressedienst (epd) in München. Denkbar sei, dass jeder nach seiner Tradition bete, während die anderen andächtig dabeistünden. Alles andere wäre ein "absolutes Novum". Er wisse aber nicht, wie der Papst sich das Treffen genau vorstelle.

 Der Papst hatte Peres und Abbas bei seiner jüngsten Nahostreise überraschend zu einem Gebetstreffen im Vatikan eingeladen. Beide Präsidenten nahmen die Einladung an. Die Begegnung soll bereits am 6. Juni stattfinden. Vatikansprecher Federico Lombardi sagte am Dienstag nach Angaben von Radio Vatikan, es gehe dem Papst darum, "gemeinsam mit den Gesprächspartnern vor Gott zu treten und Gott um Beistand zu bitten". Das Treffen werde keine diplomatische Friedensverhandlung sein. Der Papst sei ein "Mann des Glaubens und ein moralischer Religionsführer", sagte der Sprecher.

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 Theologisch sei ein Gebet von Juden, Christen und Muslimen unter bestimmten Bedingungen "durchaus vorstellbar", erläuterte Renz. Nach den entsprechenden Leitlinien der katholischen Deutschen Bischofskonferenz sei es "in Einzelfällen" möglich, dass Juden und Christen gemeinsam beteten. Beide Seiten müssten sich aber der Unterschiede zwischen den Religionen bewusst bleiben, sagte der Wissenschaftler. Dann aber könne man theologisch die Frage stellen, warum ein Gebet nicht auch mit Muslimen möglich sei. Renz leitet den Fachbereich "Dialog der Religionen" im Erzbistum München und Freising.

 Die evangelische Kirche ist bei multireligiösen Gebeten zurückhaltend. "Ein Jude kann nur als Jude beten, eine Christin nur als Christin und ein Muslim nur als Muslim", heißt es etwa in einer Orientierungshilfe der westfälischen Landeskirche aus dem Jahr 2008. Gebete seien eine "intensive, aber auch sehr persönliche Äußerung des Glaubens". Wegen des verschiedenen Gottesverständnisses könnten Muslime christliche Gebete nicht mitsprechen und umgekehrt. Ähnlich äußert sich die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) in ihrer Handreichung "Klarheit und gute Nachbarschaft" von 2006.

(Quelle: epd)