Fasten
Symbolfoto: Getty Images / curtoicurto
Am Aschermittwoch beginnt die 40-tägige christliche Fastenzeit. Laut einer aktuellen Forsa-Umfrage haben rund 60 Prozent aller Deutschen schon einmal gefastet. Allerdings spielen dabei nicht nur religiöse Gründe eine Rolle.
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Tatsächlich steht für mehr als die Hälfte der Fastenden der gesundheitliche Aspekt im Vordergrund. 55 Prozent aller Befragten nannten dies 2011 in einer Umfrage von „YouGov“ als Grund, während je 27 Prozent Tradition oder religiöse Gründe angeben. Weit verbreitet ist laut der aktuellen Forsa-Umfrage der Verzicht auf einzelne Genussmittel wie zum Beispiel Alkohol (69 Prozent), Süßigkeiten (66 Prozent) oder Zigaretten (43 Prozent).

Die christliche Fastentradition während der Passionszeit hat sich zwischen dem 2. und 4. Jahrhundert entwickelt. Einzelne Gemeinden bereiteten sich auf die Ostertage durch ein zweitägiges Trauerfasten vor. Dies wurde später auf die gesamte Karwoche ausgedehnt. Daraus entstand schließlich in der gesamten Kirche eine 40-tägige Fastenzeit. Athanasius, Bischof von Alexandria in Ägypten, berichtete im Jahr 334 erstmals davon. Biblisches Vorbild ist Jesu 40-tägige Fastenzeit in der Wüste (Mt 4,2). Auch von Mose wird berichtet, dass er auf dem Berg Sinai 40 Tage fastete (2. Kos 24,18). Der Prophet Elia wanderte 40 Tage fastend zum Berg Horen (1. Kön 19,8).

Einzelne Fastentage waren, wie auch im Judentum (z.B. „Jom Kippur„), schon in der frühen Kirche üblich. Auch Muslime („Ramadan„), Bahai, Buddhisten und Hindus kennen Fasttage bzw. -zeiten. Entsprechende Traditionen gab es auch schon in der ägyptischen Hochkultur. Besonders strengen Fastenregeln gelten in der orthodoxen Kirche. Die Kopten haben pro Jahr bis zu 210 Fastentage.

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In der Katholischen Kirche ist die Fastenpraxis für alle Gläubigen im „Codex Iuris Canonici“ (Canon 1249-1253) geregelt. Üblicherweise ist eine kleine Mahlzeit gestattet (ohne Fleisch), dazu kleinere Stärkungen. Außerdem wird den Fastenden von der Kirche ein „persönliches Opfer“ empfohlen – was zum Beispiel der Verzicht auf eines der genannten Genusmittel sein kann. Fastenzeit ist für Katholiken ausdrücklich „Bußzeit“.

Die bekannteste kirchliche Aktion zur Fastenzeit ist mit schätzungsweise zwei bis drei Millionen Teilnehmern pro Jahr „7 Wochen ohne“ der evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Dabei ist das Fasten in der evangelischen Kirche historisch betrachtet weniger verbreitet als bei den Katholiken. Der Reformator Martin Luther fastete zwar selbst, lehnte jedoch „kirchlich verordnetes“ Fasten wie auch der Schweizer Reformator Zwingli als Zeichen von „Werkgerechtigkeit“ ab.

Charismatische und evangelikale Kreise standen dem Fasten aus demselben Grund in der Vergangenheit skeptisch gegenüber, seit einigen Jahren findet jedoch eine Wiederentdeckung statt. Ansgar Hörsting, Präses des Bundes Freier evangelischer Gemeinden (FeG) bezeichnete das Fasten am Rosenmontag gegenüber der Nachrichtenagentur „idea“ als „gute geistliche Übung“.

In der Bibel ist das Fasten oft eng mit dem Gebet verknüpft (Lk 2,37, Lk 5,33). Sinn des Fastens ist nicht die Askese in sich, sondern, unabhängig von den durchaus verschiedenen Anlässen wie Trauer, Buße, Vorbereitung auf eine Gottesbegegnung (Mose), die persönliche Hinwendung zu Gott. In der Apostelgeschichte wird berichtet, dass Paulus und Barnabas Gemeinden gründeten und für die Leiter beteten und fasteten (Apg 14,23). Jesus betont in der Bergpredigt, dass Fasten im Verborgenen geschehen und nicht zu geistlicher Prahlerei missbraucht werden sollte (Mt 6,16-18). Dieser Punkt war den Reformatoren wichtig. Fasten als Gesundheits- oder Diätprogramm war den biblischen Autoren unbekannt.