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EKD-Ratsvorsitzender: Fünf Visionen für eine digitale Kirche

Heinrich Bedford-Strohm bezeichnet die Digitalisierung im Blick auf die Kirche als „Update der Reformation“. Allerdings gäbe es auch Tabus.

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Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, fordert die evangelischen Landeskirchen auf, die Digitalisierung besser zu nutzen. Bei der Mitgliederbindung sei seine Vision einer digitalen Kirche kaum verwirklicht, sagte er am Freitagabend zum Start einer zweitägigen Tagung zu Kirche und Digitalisierung im Landauer Butenschoenhaus. „Babynahrungskonzerne schicken zur Geburt Begrüßungspäckchen an die glückliche Familie, die Kirche aber fehlt mit der Einladung zur Taufe des Kindes“, kritisierte Bedford-Strohm.

Fünf Visionen für die digitale Zukunft

Der EKD-Ratsvorsitzende nannte fünf Visionen für eine digitale Kirche: Sie müsse es schaffen, sich trotz der Fülle des Internets in der Gesellschaft sichtbar zu machen. Dies sei etwa mit dem EKD-Projekt Digitale Kirchtürme gelungen, das die Auffindbarkeit mittels Suchmaschinen verbessere. Kirchen müssten auch auf der Verwaltungsebene mutiger und agiler werden, sagte Bedford-Strohm. Des Weiteren stärkten digitale Angebote die Gemeinschaft in Ergänzung zu physischen Begegnungsformen. Die Digitalisierung löse außerdem das Dilemma, Weltkirche partnerschaftlich zu leben, ohne dabei das Klima durch den Kohlendioxid-Ausstoß von Flugreisen zu zerstören.

Am wenigsten verwirklicht sei die Vision der Mitgliederbindung der Kirche auf digitalem Weg, kritisierte der bayerische Landesbischof. Während die meisten Unternehmen von einem Datenstamm ihrer Kunden profitierten, hätten Kirchen vielerorts nicht einmal die E-Mails ihrer Mitglieder. Aber: Datenkauf, etwa um herauszufinden, wo Kinder geboren worden seien, sei ein Tabu.

Zukunft ist ökumenisch

Die Digitalisierung bezeichnete der EKD-Ratsvorsitzende im Blick auf die Kirche als ein „Update der Reformation“. Sie beschleunige die Kommunikation enorm. Gleichzeitig stelle sie Kirche und Gesellschaft vor Herausforderungen. „Populismus und Hate Speech hat es auch zur Zeit der Reformation geben“, sagte Bedford-Strohm. Flugblätter hätten zum Hass angestachelt, der letztlich in den Dreißigjährigen Krieg gemündet sei. Aufgrund des ökumenischen Heilungsprozess sei dies in den Hintergrund getreten. Die Diffamierung des Judentums sei jedoch bis heute nicht überwunden, antisemitische Gewalt nach wie vor aktuell.

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Vor diesem Hintergrund sollten Konfessionen die gegenseitigen Herabsetzungen überwinden, appellierte der Bischof. Die Zukunft der Kirchen könne nur eine ökumenische sein. „Nur durch die Überwindung der eigenen historischen Abgrenzungen können wir in einer von Spaltung geprägten Welt ein kraftvolles Zeichen der Versöhnung und Einheit geben“, sagte Bedford Strohm. Der anti-hierarchische Charakter digitaler Kommunikation verändere dabei die Interaktion der Kirche im Inneren und nach außen. „Das entscheidende Kapital der Kirche könnte künftig Kommunikationsfähigkeit sein, nicht Amt und Würden“, so Bedford-Strohm.

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Quelleepd

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1 KOMMENTAR

  1. Die Zukunft der Kirche

    EKD-Ratsvorsitzender Bedford-Strohm sagt etwas ganz wichtiges: „Die Zukunft der Kirchen kann nur eine ökumenische sein“! Hinsichtlich der Digitalisierung stelle ich immer wieder fest, dass Unternehmen meine Adresse (und/oder meine EMailadresse) haben. Es ist außer ihm noch niemand auf die Idee gekommen, dass solch ein digitaler Zugang zu den Mitgliedern eine sinnvolle Möglichkeit sein könnte etwa einzuladen, in die eigene Gemeinde, zum Gottesdienst, zur Gemeindeversammlung, die Konfirmanden zum Konfirmandenunterricht und die Eltern ihr Kind taufen zu lassen. Selbstverständlich müssen Daten auch hier freiwillig sein, aber ihre Erhebung wäre ein einmaliger Aufwand. Nun muss leider auch gesagt werden, dass allerdings in den beiden großen Kirchen in Deutschland nur 3 bis 5 % der Kirchensteuerzahler*innen mehr oder weniger regelmäßig zum Gottesdienst gehen und/oder kirchlichen Gruppen, Kreisen und Treffs angehören, also zur Kerngemeinde gehören. Leider ist die Kehrseite, dass bedingt durch den Traditionsabbruch aber regelmäßig viele Menschen die Kirchen verlassen. Es gibt eine fast unausgesprochene Überzeugung – die nicht immer wahr sein muss – dass mehr als die höchstens 5 von 100 nicht kirchlich gemeindlich erreicht werden können. Dies jedenfalls kann man ausprobieren und vielleicht das Gegenteil erreichen. Dies muss aber vor allem dadurch geändert werden, in dem wir von einer reinen Komm-Struktur zu einer Geh-Hin-Struktur kommen, also an die Hecken und Zäune sowie an den Rand der Gesellschaft gehen. Wenn am Sonntag nur ein Dutzend Leute unter dem Altar sitzen, dann ist das so als seien alle einverstanden, dass wir uns mit der Zeit ganz abschaffen. Da muss sich Kirche mit ihren Füßen in Bewegung setzen und dass tun, was eine moderne Urgemeinde machen muss: Das Leben mit den Menschen teilen. Hier ist der Digitalisierungsnutzung eine helfende Möglichkeit zuzutrauen, etwa einzuladen, beispielsweise zu einem großen Tauffest an einem Fluss oder See und gerne mit allem was man an einem Fest tut. Der Segen der Digitalisierung wird allerdings zum Unsegen, wenn wir uns im Technik- und Fortschrittswahn größtenteils nur noch in Fernbeziehung christlich begegnen. Neue Wege und Ideen freuen den Heiligen Geist, man muss den Himmel also nicht erst um Genehmigung angehen oder aber erwarten, er würde es als unser Vater, Sohn und Heiliger Geist schon ohne unsere Zutun richten. Die neuen Wege zu den Menschen sollten möglichst ökumenisch sein, denn die Einheit im Geiste zwischen allen Kirchen und christlichen Gemeinschaft wäre auch unser Pfund, mit dem gerne gewuchert werden darf. Ehrlich: Ich hasse eine vor sich hergetragene Frömmigkeit, die Mitchristen oder andere Kirchen und christliche Überzeugungen in Schubladen von entschiedene, laue oder gar keine richtigen Christen einteilt. Ich habe mir sagen lassen dass alle Menschen guten Willens miteinander beten können und sich in gut gestalteten Gottesdiensten nicht langweilen müssen.

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