Ostern: Wenn das Leben triumphiert

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An Ostern zeigt sich Gott in all dem Dunklen, Düsteren und Dreckigem. (Bild: Chris Barker / Unsplash.com)

Mit Weihnachten tun viele sich leichter: Gott kommt uns Menschen nahe und wendet sich uns zu. Aber Ostern? Hat das Kreuz nicht nur was mit Tod und Abwendung zu tun?

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Erst letztens sagte eine Lehrerin zu einer Schülerin aus unserer Gemeinde im Ethik-Unterricht: „Wer Lust auf Kreuzigung hat, wird eben Christ. Wer Lust auf Kopftuch hat, wird eben Moslem!“ Die deutliche Aussage dahinter: Je nachdem, welche seltsame Vorliebe für Unterdrückung und Grausamkeit du teilst – bitteschön: Religionen bieten sie dir! Ich kann die Lehrerin verstehen. Und auch wieder nicht. Ich kann nachvollziehen, dass das Kreuz sperrig ist, schwer zu begreifen. Dass Ostern leicht als Akt der Grausamkeit zu deuten ist, gerade wenn man glaubt, dass hier ein Gott aus Zorn und Grausamkeit seinen eigenen Sohn hingerichtet hat (Spoiler: Hat er nicht). Was soll daran befreiend sein? Oder gar ein Grund für ein frohes Osterlachen am Morgen der Auferstehung?

Für mich steht das Kreuz zentral für Versöhnung, Heilung und Freiheit. Aber wie kann man das Kreuz verstehen, sodass es nicht als überkommenes, archaisches Ritual durchgeht, in dem ein unschuldiger Mensch geopfert wird, damit der Zorn eines gerechten Gottes gestillt wird …?

Hinein in Dreck und Dunkelheit

Mir helfen dabei emotionale Bilder. Angenommen, eins unserer Kinder würde schwer krank und benötigte ein Organ von uns – was würden wir Eltern tun? Antwort: Egal, ob Organspende, Knochenmark, Transfusionen – meine Liebe würde alles geben, was geht, selbst wenn es mit einem Risiko für mich verbunden wäre! Oder: Wenn mein Kind zu ertrinken drohte – würde ich nicht ins Wasser springen, ohne Rücksicht auf mein eigenes Leben? Wenn mein Kind in schlechte Gesellschaft geriete, sich in dunklen Vierteln herumtriebe und drohte, vor die Hunde zu gehen – würden wir Eltern dann nicht in genau diese Viertel gehen? Uns den Konflikten, dem vermeintlichen Schicksal (in den Weg) stellen?

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Ich beschreibe das so drastisch, um die unfassbare Liebe Gottes zu illustrieren, die genau das getan hat – auch wenn mir das nur zu vielleicht einem Prozent gelingt.

Alles losgelassen, alles gegeben, in Dreck und Dunkelheit gestiegen, den eigenen Tod in Kauf genommen, um die geliebten Kinder zu retten: Das hat Gott getan. Und das waghalsige Manöver ist nicht gut ausgegangen. Die Menschen haben den herunter-gekommenen Gott in seiner Freiheit von eigener Schuld, seiner überwältigenden Hingabe und Liebe nicht ertragen. Sie haben den Fremdkörper, der aus ihrer Sicht entfernt gehört, hingerichtet.

Kreis der Versöhnung

Das maximal Gute und Liebende hat maximale Ungerechtigkeit erlitten. Damit ist alles umfasst, was an Schuld, Versagen und Scham auf dieser Welt existiert hat, gerade jetzt existiert und in alle Zeit existieren wird. Doch schließlich wird sogar das größte Dunkel verschlungen: Der Tod findet sein Ende. Das Leben triumphiert. Licht erhellt das Dunkel.

Ostern schließt sich als Kreis des Heils, der Liebe und der Versöhnung. Ein Kreis, in den jeder Mensch eingeschlossen ist, ob er es weiß oder nicht. Das ist persönlich erfahrbar und wirksam. Die Frage ist: Folge ich der Einladung in diesen Kreis? Es ist ein großartiges Geschenk. Kein grausames Ritual, sondern die Hingabe der größten Liebe, der Liebe Gottes. An mich.


Diesen Artikel schrieb der Pastor, Autor und Seelsorger Christof Lenzen zuerst für das Magazin lebenslust. Das evangelistische Verteilmagazin erscheint regelmäßig im SCM Bundes-Verlag, zu dem auch Jesus.de gehört. 

1 DIREKT-KOMMENTAR

  1. Gott ist vollkommene Liebe und Gerechtigkeit

    Selten wurde hier der stellvertretende Tod Jesu, die Versöhnung Gottes mit uns, so gut erklärt: Es ist pure Liebe. Wobei die Psychologen auch eine Erklärung beifügen könnten: Nichts ist unerträglicher, vielleicht so wie eine Strafe empfunden, als unverdiente Liebe (Gottes.) Nun ist aber Liebe (eigentlich) immer unverdient, sonst wäre sie ein Geschäft. Wenn ich dies weiter denke, dann gibt es – als Glaubensirrtum – jene himmlische Liebe nicht umsonst, sondern nur aufgrund unserer Leistung. Dies wäre in diesem Zusammenhang ein wohlanständiges Leben, eine Bekehrung und eine Art Vertrag. Etwa, du erlöst mich und ich bin fromm. Aber da würde Luther immens Einspruch einlegen. Gott ist schon immer barmherzig zu mir und jedem gewesen, wir dürfen (und sollten) darauf mit Dankbarkeit antworten. Hier fällt mir vor allem das Gleichnis ein vom Hirten, der die 99 Schafe verlässt, um das eine unter die Dornen gefallene zu finden, es zu retten und auf seinen Schultern heimzutragen. Das Gleichnis erwähnt nicht, das Schaf habe zu seiner Rettung beigetragen – nein – es war geradezu unfähig dazu. Vor diesem Hintergrund darf eine Christin/ein Christ hoffen, dass Jesus auch für Judas gestorben ist – und dass man die Aussage im Apostolikum „hinabgestiegen in das Reich des Todes“ so ausdeuten dürfte (bildlich verstanden): Jesus ist dort unterwegs gewesen, auch den Toten, die Gott nicht kennen, zu predigen. Wir Christ*innen sind nicht der Heilige Rest, ganz alleine die Bürger*innen im Neuen Himmel und auf der Neuen Erde. Denn sonst wäre das Erlösungswerk für alle Menschen, Kreaturen und das riesige Universum – so hätte es meine Oma formuliert – für die Katz gewesen. Aber kann Gott scheitert ? Ich glaube „nein“. Am Ende aller Tage werden sich alle Menschen mit Gott freiwillig versöhnen. Auch wenn dies sehr unwahrscheinlich klingt ist es deshalb wahrscheinlich, weil Gott nicht in seinem Wollen versagen kann einerseits, und der Mensch nicht andererseits die Neuschaffung des Universum zu verhindern vermag. Wenn aber ein Spannungsbogen verbleibt, etwa weil das nach unserem Gefühl ungerecht ist, die Bösen damit noch belohnt werden, kann ich mir durchaus eine Strafe für Gottlosigkeit vorstellen. Wenn der Himmel nämlich nicht mit Gewalt, sondern nur mit Liebe bestraft (nicht hinrichtet), dann wird den einen oder die andere in der Konfrontation mit der Liebe Gottes das eigene Gewissen verurteilen. Vielleicht kann es uns dann im Himmel so ergehen wie Saulus vor Damaskus. Er war ja auch für die damaligen Begriffe ein Unmensch, verfolgte und ermordete die Jesusanhänger. Aber mit einem sehr hellen (inneren) Licht begegnet ihm Jesus und er will und kann sich nicht diesem Lichterlebnis verweigern. Aus Saulus wird Paulus, aber er hatte es nach menschlichen Maßstäben nicht verdient. Ich meine allerdings nicht, es gäbe eine billige Gnade. Denn wenn Jesus Christus freiwillig für alle Menschen am Kreuz starb, dann war dies sehr teuer. Ein Gott der so Mensch wird, dem kann kein vernünftiger Geist unterstellen, es gäbe eine ewige Verdammnis. Und da sind wir dann allerdings in Dissens mindestens mit allen Fundamentalisten. Aber Jesus war kein Theologe, schon gar kein Dogmatiker, sondern er war die Liebe in Person. Vor vielen Jahrzehnten haben wir dieses Problem der Ewigen Verdammnis oftmals diskutiert. Am Ende stand dann ein Formelkompromiss, wie man heute sagen würde: In allem seinem Handeln ist Gott immer absolut gerecht.

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