Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der bayrische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm (l.) und der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx (Foto: epd-Bild / Jens Schulze).
Protestanten und Katholiken in den Vereinigten Staaten und in Westeuropa sind laut US-Studien in Glaubensfragen großteils auf einem Nenner. Diese Annäherung würde „Christen vergangener Jahrhunderte schockieren“, mutmaßten die Autoren des „Pew Research Center“ (Washington, D.C.). Zum 500. Reformationsjubiläum untersuchte das Forschungsinstitut in zwei Studien Glaubenseinstellungen in den USA und in 15 westeuropäischen Ländern, darunter auch Deutschland. Am Donnerstag legte es die Ergebnisse vor.

Mit deutlichen Mehrheiten erklärten Protestanten und Katholiken, der Katholizismus und der Protestantismus hätten mehr Ähnlichkeiten als Unterschiede. In Deutschland sahen 78 Prozent der Protestanten und 58 Prozent der Katholiken mehr Übereinstimmung.

Nur eine Minderheit der Protestanten halte am Kerngedanken der Lehre von Reformator Martin Luther fest, dass Menschen durch Glauben allein das Seelenheil erlangen, hieß es weiter. In den USA erklärten 52 Prozent der Protestanten, gute Werke und Glauben seien erforderlich. In Großbritannien schlossen sich 62 Prozent der Protestanten dieser Auffassung an, in Deutschland 61 Prozent und in der Schweiz 57 Prozent. Allein in Norwegen erklärte die Mehrheit der Protestanten (51 Prozent), Glauben allein genüge.

Katholiken äußerten mehrheitlich die Ansicht, gute Werke und Glauben würden mit ewigem Leben belohnt. In Deutschland sagten das 58 Prozent, in den Niederlanden 66 Prozent, in Spanien 64 Prozent und in Österreich 60 Prozent.

Im Mittelwert erklärten acht Prozent der Protestanten und 14 Prozent der Katholiken in westeuropäischen Ländern, sie gingen wöchentlich oder häufiger zur Kirche. In Gesellschaft und Familie herrsche gegenseitige Akzeptanz, bekräftigte die Erhebung. Mehr als 90 Prozent der Protestanten in westeuropäischen Nationen seien bereit, ein Mitglied der „anderen“ Kirche als Familienangehörigen zu akzeptieren. Ausnahme sei Finnland mit 85 Prozent. Bei Katholiken bewege sich die Akzeptanz zwischen 97 Prozent (Deutschland) und 76 Prozent (Portugal).

Die Studien basieren auf zwei separaten Umfragen der vergangenen Monate. In Westeuropa wurden 24.599 Personen in 15 Ländern befragt, in den USA 5.198 Menschen.

7 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Martin Luther selbst wäre schockiert von dieser Annäherung! Die kath. Kirche hat sich von Anfang an zu einer Irrlehre entwickelt, indem sie sehr viel heidnisches und menschliches in die Lehre gepackt hat, die schließlich im Ablass gipfelte. Inzwischen leugnen beide Kirchen das Sühneopfer Jesu, zweifeln die Jungfrauengeburt Jesu an. Verfälschen das Wort Gottes mit eigenen Interpretationen und der Anpassung an den Zeitgeist.

    Die Kirchen vereinigen sich wieder,in ihren jeweiligen falschen Lehren, im Abfall von der biblischen Wahrheit. Vom „sola scriptura“ ist nichts mehr übrig geblieben.

    Joh. 14,23 „… Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen.“

    Wer das Wort Gottes verdreht, es dem Zeitgeist anpasst, liebt den Herrn Jesus Christus nicht mehr – das sagt sein Wort. Ein trauriges Jubiläum – gefeiert mit einem staatlichen Feiertag – Kirche schafft sich selber ab – sehr traurig!

    • Sehe ich ganz genau so. Es zeigt, dass man sich als Nachfolger Jesu klar positionieren muss, um diese Irrlehren nicht mit zu unterstützen. Das heisst Trennung von den Staatskirchen.

    • Nur mal zur Erinnerung: Martin Luther war ursprünglich katholisch. Er hatte auch keineswegs vor, die Kirche zu spalten, sondern er wollte sie reformieren. In der heutigen katholischen Kirche würde er vermutlich nicht mehr derart rebellieren, wie er es damals zu Recht getan hat, und heute würde er wegen seiner Kritik vermutlich auch nicht mehr exkommuniziert. Wir sollten uns wirklich einmal auf beiden Seiten überlegen, wie sinnvoll es ist, die Konflikte von vor 500 Jahren zu hegen und zu pflegen, oder ob wir nicht wichtigere Dinge zu tun haben, z. B. in der Auseinandersetzung mit dem Islam einerseits und dem Atheismus andererseits.

      • Hallo Thomas Jakob,
        natürlich würde er heute nicht mehr die Reform so anstreben, wie er es gemacht hat. Der Grund ist recht simpel. Neben der religiösen Dimension der Reformation gibt es auch eine politische Dimension. Die Reformation hatte dem Adel nicht nur mehr Macht gegeben, sondern die Reformation war auch ein Raubzug an dem sich der Adel bereichern konnte. Das Vermögen bekam nicht die neue evangelische Kirche, sondern bekam der Adel. Insbesondere das Eigentum der Klöster, wurde der Kirche entrissen und den weltlichen Herrschern zugeteilt. Reformation hat sich für den Adel gelohnt, denn sie haben neben mehr Macht auch ein Vermögen zugespielt haben.
        Allerdings war absehbar, dass die auch Krieg bedeutet. Nicht zuletzt auch, weil das Vermögen, dass der Graf einkassiert hat, den Klöstern gehörte, die aus der Nachbargrafschaft gehörte.

        • Hallo Swift, wenn ich Dich richtig verstanden habe, sagst Du, dass Luther heute seine Reform so nicht mehr anstreben würde, weil damals der Adel die Reformation dazu benutzt hat, sich am Eigentum der Klöster zu bereichern. Dem kann ich nicht folgen. Luther war in erster Linie gläubig-theologisch motiviert und hat sich damals weder durch politische noch durch ernsthaft drohende persönliche Konsequenzen davon abhalten lassen, eine Reform anzustreben. Warum sollte er es dann heute tun, obendrein unter Bezugnahme auf Unrecht, das vor ca. 500 Jahren passiert ist?
          Gruß
          Thomas

  2. Oha – bei aller berechtigten Kritik an der Verknüpfung von Staat und Kirche. Ich wäre da etwas vorsichtiger (und ich bin normaler Weise nun wirklich nicht besonders vorsichtig….). Aber so eine pauschale Verurteilung anderer Christen: Wort Gottes verdrehen, Zeitgeist anpassen, Jesus nicht lieben?

    Also irgendwo steht auch in der scriptura, daß man mit Verurteilungen anderer doch etwas vorsichtig sein sollte.

  3. Es ist richtig, dass die Akzeptanz der beiden Kirchen gestiegen ist. Es ist einfach nicht zu übersehen.

    Allerdings sehe ich in der Lehre teils immer noch dieselben Gegensätze. Wir leben hier in einer Gesellschaft, wo der Glaube nicht mehr von oben bestimmt wird. Das war ja der eigentliche Erfolg der Reformation und für die katholische Kirche gilt, dass diese Bestimmen eine wesentliche Ursache der Christianisierung war.

    Heute ist der Glaube mehr Selbstbestimmt und offensichtlich lehnt in allen größeren Kirchen ein beachtlicher Teil, die trennende Dogmatik ab. Sie wollen diese Feindseligkeiten nicht mehr.

Comments are closed.