Der Ökumenische Arbeitskreis ÖAK hat sich nach einem jahrelangen Prozess für eine wechselseitige Teilnahme am Abendmahl bzw. der Eucharistie ausgesprochen. Aber: Das Votum ist nicht bindend.

Von Nathanael Ullmann

„Der Ökumenische Arbeitskreis evangelischer und katholischer Theologen betrachtet die Praxis der wechselseitigen Teilnahme an den Feiern von Abendmahl/Eucharistie in Achtung der je anderen liturgischen Traditionen als theologisch begründet.“ Was in der Veröffentlichung „Gemeinsam am Tisch des Herrn“ so nüchtern klingt, hat Sprengkraft. Denn wenn evangelische Christinnen und Christen an der katholischen Eucharistie teilnehmen dürften und andersherum, würde damit mit einer langen Tradition gebrochen. Bisher war das nicht oder nur in Ausnahmesituationen möglich.

Das am Mittwoch in Frankfurt vorgelegte Papier schlägt nun einen ganz anderen Weg ein. Der Arbeitskreis hat Erkenntnisse aus verschiedenen Studien und überkonfessionellen Gesprächen gebündelt und festgestellt: Schon in der Bibel und darüber hinaus in der Traditionsgeschichte gibt es verschiedenste Formen des Abendmahls bzw. der Eucharistie. Im Rahmen des 57-seitigen Votums kommen die Geistlichen deshalb zu dem Ergebnis, dass ein wechselseitiges Abendmahl theologisch begründet ist. Das Zentrum bilden dabei Jesus Christus und dessen Worte zu Brot und Wein.

„Bahnbrechendes Dokument“

„Heute ist ein historischer Tag für die Kirche. Und unser Votum argumentiert aus einer so breiten biblischen und wissenschaftlichen Grundlage, dass sich die Argumentationslast gegenüber dem Gewohnten umkehrt: Wer etwas gegen die Abendmahlsgemeinschaft sagen will, braucht starke Gründe“, schreibt der evangelische Theologe Volker Leppin in einer Stellungnahme. Auch der katholische Bischof Georg Bätzing äußerte sich positiv: „Ich sehe darin einen wichtigen und gangbaren Schritt auf dem Weg hin zu einer sichtbaren Einheit unserer beiden Kirchen.“ Der evangelische Bischof Martin Hein bezeichnete die Studie gar als „bahnbrechendes Dokument“, wie das Bistum Limburg berichtet.

Das Votum des Ökumenischen Arbeitskreises gilt allerdings nicht als bindend. Er hat lediglich die Funktion, die Deutsche Bischofskonferenz und den Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland über die Ergebnisse der Dialoge zu unterrichten. Insofern bedarf es weiterer Entscheidungen, um das wechselseitige Abendmahl in die Praxis umzusetzen. Ein wichtiger Schritt könnte hier der dritte Ökumenische Kirchentag 2021 sein. Bätzing, der in Frankfurt als Gastgeber in Erscheinung tritt, sagte am Mittwoch, er hoffe, dass das Votum dort „zu einer solide begründeten und zugleich vorsichtig verantwortbaren Öffnung der bisherigen Praxis beiträgt.“ Inwiefern das zu halten ist, bleibt abzuwarten.

7 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Geliebte Geschwister in unserem gemeinsamen Herrn Jesus Christus!
    Der feste Glaube meiner geliebten Mutter Kirche ist, dass die von Jesus gewollte und gegründete eine, heilige, katholische und apostolische Kirche sichtbar verwirklicht ist in der katholischen Kirche. In der Kirche wird die weltweite Verbundenheit (Ökumene) bereits gelebt. Zeichen und Garant für diese Einheit ist unser Papst und die heilige Eucharistie.
    Eine ehrliche Teilhabe an der Eucharistie (Abendmahl) ist in der Regel nur den Menschen möglich, die Glieder der katholischen Kirche sind. Durch den Empfang der heiligen Kommunion bezeugen sie ihre Zugehörigkeit zur Kirche.
    Jedem ist es natürlich unbenommen, eine andere Auffassung zu diesem Thema zu haben. Ich bitte aber auch die Katholiken zu achten, die in Freude und Dankbarkeit die Lehre der Kirche leben, wie sie z.B. das Zweite Vatikanische Konzil und auch die Erklärung „Dominus Jesus“ verdeutlicht.
    In geschwisterlicher Liebe,
    Euer Stefan Bopp

    • Lieber Bruder Stefan Bopp,
      warum können denn geliebte Geschwister in dem einen Herrn Jesus Christus nicht das eine, von eben diesem Herrn eingesetzte Abendmahl gemeinsam feiern ?
      Ein Herr, zwei Abendmahle ?
      Ihr Christian Schmidt-Weigand

    • Hallo Stefan,
      an dieser Katholizität, wie Du sie beschreibst, haben alle Kirchen und Gemeinschaften Anteil, z.B, auch diejenigen Freikirchen, die das nizäno-konstantinopolitanische (das „große“) Glaubensbekenntnis zu ihren Basistexten erklären. Da heißt es im Original: „Εἰς μίαν, ἁγίαν, καθολικὴν καὶ ἀποστολικὴν Ἐκκλησίαν. – und die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche“. Mit guten Gründen spricht das 2. Vatikanische Konzil in Lumen Gentium 8, 2 davon, dass die kath. Kirche in der Kirche Jesu Christi „subsitiert“, also nicht andere ausschließend existiert. Die römische Version der Kirche Gottes ist noch wiederum eine Teilkirche der katholischen.. „Katholisch“ mit „römisch-katholisch“ zu identifizieren ist ein Fehler und berücksichtigt z.B. auch nicht die alten orientalischen Kirchen, von denen es meistens ja auch katholische Zweige gibt, die den römischen Primat anerkennen. So sind die meisten der indischen Priester bei uns unierte Thomaschristen des syro-malabarischen Ritus– und damit nicht RÖMISCH-katholisch.
      Fazit: Aus guten Gründen sagen Katholiken im Glaubensbekenntnis nicht: Und die eine, heilige, römisch-katholische und apostolische Kirche. Die katholische Kirche ist ein bunter Haufen, immer schon gewesen.Und die weltweite Kirche Jesu Christi ist noch viel mehr (darum „subsistiert“ die kathoiische), da gehören alle Orthodoxen und Evangelischen auch dazu.

      Und noch eines: Wenn ich mich nicht täusche, hat Bischof Stefan Oster beim „Meet Mission Manifest“ in Passau zu bedenken gegeben, dass das Prädikat „apostolisch“ nicht nur auf das Bischofsamt gemünzt sei, sondern eigentlich auch mit „missionarisch“ übersetzt werden müsste. Missionare sind alle Christen/innen. Inwieweit der Deutsche Katholizismus missionarisch ist, sei einmal dahingestellt. Ich sehe es nicht. Die bisherigen Dialogprozesse waren missionarische Luftnummern. Mission ist aber die Grundidentität aller Kirchen, auch der katholischen (Evangelii Nuntiandi Nr. 14), und ihr Grundauftrag (Kath. Katechismus Prolog Nr. 3). Eucharistie setzt den Ruf zur Bekehrung voraus (Liturgiekonstitution Nr. 9). Pfarreien sind aber nur ganz selten „Zentren der Evangelisierung“ in einer Stadt oder einem Dorf.

      Für mich persönlich gilt daher: In der kath. Kirche wird Sakramentalität zwar gelehrt, aber in freikirchlichen Gemeinden wird sie gelebt, auch wenn dieser Terminus kaum vorkommt. Mt. 18, 20, die lebendige Gegenwart des Auferstandenen gilt, auch ganz ohne Amt und Hierarchie. Es gibt viel zu tun, packen wir’s an, und warten wir nicht auf die Hauptamtlichen, bis „sich“ irgendwas ändert.

  2. Da ein Teil meiner Verwandtschaft katholisch ist, habe ich schon mehrfach an der Erstkommunion teilgenommen und dort auch die Eucharistie – bzw. in meinem Verständnis das Abendmahl – mitgefeiert. Jedenfalls wollte in der Kirche niemand meine Taufurkunde sehen.

  3. Da wird sich nichts tun. Denn die Hardliner in der kath. Kirche sind die treuesten Sonntagsgottesdienst-Besucher. Und für die Hardliner gibt es nur eines: Rückkehr aller Reformationskirchen unter das Dach der Römischen Kirche.
    Die vorsichtige Öffnung auch durch deutsche Bischöfe hin zu einem gemeinsamen – in Vielfalt? – Verständnis von Eucharistie und Abendmahl wird durch den Vatikan untersagt werden. Da greift wieder die Hierarchie der Römischen Kirche.

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