Willow Creek: So geht es nach dem Kongress-Abbruch weiter

5
Drei Leute sitzen auf einer riesigen Bühne.
Foto: Marc Gilgen, Willow Creek Deutschland
Obwohl der Leitungskongress von Willlow Creek abgebrochen werden musste, bekommen die Veranstalter viele positive Rückmeldungen von Teilnehmern. Offen ist noch, wie hoch der finanzielle Schaden ist.
Werbung

Von Nathanael Ullmann

Für über zehntausend Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Karlsruhe und vor dem Live-Stream an den 13 Übertragungsorten war am Freitagnachmittag früher Schluss. Der Leitungskongress von Willow Creek wurde vorsorglich und aus Sicherheitsgründen vorzeitig beendet. Eigentlich hätte er bis Samstagnachmittag gehen sollen. Einer der geplanten Referenten erhielt jedoch Freitag gegen Mittag ein positives Coronavirus-Testergebnis. Vor Kongressbeginn war er zu einem Speakers-Dinner mit einem Teil der anderen Referentinnen und Referenten sowie dem Willow-Leitungsteam in Kontakt gewesen. Circa 20 Referentinnen und Referenten sowie Leiterinnen und Leiter mussten deshalb vorzeitig in häusliche Quarantäne abreisen.

Ein negatives Fazit ziehen die Veranstalter jedoch nicht. Grundsätzlich sei man zwar traurig über den Abbruch, sagte Ulrich Eggers, der erste Vorsitzende von Willow Creek Deutschland, auf Anfrage von Jesus.de: „Aber es gab große Zustimmung und positive Reaktionen, wie auch sonst nach guten Kongressen. Wir bekommen unheimlich viel unterstützendes Feedback und hohe Wertschätzung für das verantwortliche Handeln.“

Viel Unterstützung

Werbung

Die Besucherinnen und Besucher hätten den Abbruch „diszipliniert, freundlich und in guter geistlicher Reife“ akzeptiert. In den sozialen Netzwerken erlebte der Vorsitzende ebenfalls viel Rückhalt. Ähnlich gehe es den anderen Betroffenen, die unter Quarantäne stehen. Auch sie erlebten viele positive Unterstützung. Das sei angesichts des Abbruchs verblüffend. Ihre Ticketpreise fordern derzeit zudem kaum Menschen zurück. Karl-Heinz Zimmer, Geschäftsführer von Willow Creek Deutschland, sagte auf Nachfrage, es habe nur „einige, ganz wenige Fälle“ bei Tageskarten für den Samstag gegeben, also der Tag, der gar nicht durchgeführt werden konnte.

Einzelne Sessions waren am Freitag noch ohne Teilnehmende in der leeren Halle aufgenommen worden. Auch überlege man, weitere Sessions nachzuliefern, stellte Ulrich Eggers klar. Man müsse jedoch erst einmal sehen, wie die Quarantäne-Zeit verlaufe: „Auf jeden Fall werden wir so gut, wie es geht, nachliefern, damit am Ende ein möglichst geringer Schaden bleibt.“ Wie die Besucherinnen und Besucher die nachgelieferten Reden anschauen können, werden die Veranstalter zeitnah mitteilen.

Hoffen auf die Haftpflicht

Wie die finanziellen Folgen des vorzeitigen Aus aussehen, ist noch nicht abzusehen. „Wir hoffen, dass die Haftpflicht zumindest für einen Teil des Schadens aufkommt“, erklärte Eggers. Derzeit ist die Rechtslage allerdings noch unklar: Die Entscheidung, den Leitungskongress zu beenden, ging von Willow Creek aus, wenn auch in enger Konsultation mit dem Gesundheitsamt. Ob und inwiefern die Haftpflicht greift, bleibt also unsicher. Darüber hinaus gibt es erste Spendenzusagen. Nicht durchgeführt werden konnte der Spendenaufruf zum Abschluss des Events, der für die internationale Arbeit in Afrika bestimmt war.

Gesundheitlich geht es den unter Quarantäne stehenden Personen gut. Jedoch gebe es psychologisch eine „gewisse Anspannung“, sagte Ulrich Eggers. Er ist aktuell zusammen mit seiner Frau Christel und dem Redner Gordon MacDonald in Cuxhaven in Hausquarantäne. Gerade für Letzteren sei die Situation schwierig. Mit 80 Jahren gehöre er zur Hochrisikogruppe, er sitze in einem fremdsprachigen Land fest, während seine Frau in den USA sei: „Das ist eine echte Belastungssituation.“

Hier findet ihr weitere Artikel zum Leitungskongress:

5 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Die Haftpflichtversicherung ist hier eigentlich nicht zuständig. Für solche Fälle gibt es eine Veranstaltungsausfallversicherung.

    Abgesehen davon, Gottes Frieden und Schutz für alle Beteiligten, besonders für Gordon MacDonald, in dieser schwierigen Situation.

  2. Ich selbst war auch dort und es war alles gut. Auch als Veranstalter der ja auch Standgebühren tragen muss werde ich sicher keine Regress Absichten stellen. Es war sicher eine Schwere Entscheidung und wenn man überlegt sind die Leiter hier schon durch den „Hausarrest“ schon genug gestraft. Als Christen ist es ein Selbstverständlich zusammenzustehen und in dieser außergewöhnlichen Situation zusammen stehen. Dachte auch daran sicher wird es möglich sein das eine oder andere Thema nachzuarbeiten per Videobotschaft. Lassen wir sie jetzt einfach einmal ganz entspannt warten, ohne Druck noch in die Situation hineinzubringen.
    Danke auf jeden Fall für die gute Zeit und das Besondere Erlebnis wie geordnet und sicher alles über die Bühne ging.
    Ganz viel Kraft und Gesundheit und besonderes Vertrauen auf unseren Herrn Jesus Christus. und für die Verantwortung die Ihr ausgeübt habt und weiter ausüben werdet.

  3. Liebe Redaktion, habt ihr wirklich den Veranstalter gefragt, wie er die abgebrochene Veranstaltung empfand? Natürlich gut, das ist ja klar. Allen Teilnehmern geht es auch gut, klar. Aber der Abbruch einer Veranstaltung ist für die Veranstaltung das Desaster schlechthin. Darf man das in frommen Kreisen gar nicht mehr sagen? Alles gut, alles toll, alles fromm. Geht es nur noch um das Geld? Ein wenig Ehrlichkeit über die Enttäuschung der abgebrochenen Veranstaltung stünde selbst den Veranstaltern nicht schlecht an. Nach dem Desaster um Bill Hybels würde das auch Glaubwürdigkeit zurückgeben.

    • Lieber Arthur Schopenhauer,
      bevor du uns hier der Unehrlichkeit bezichtigst, mach mal sachte. Dein „Natürlich gut … auch gut, klar“ und „Alles gut, alles toll, alles fromm“ klingt mir ein bisschen zu ironisch und für jemanden, der gar nicht dabei war und auch sonst Willow-Kongresse, wenn ich das richtig einschätze, nicht aus eigener Erfahrung kennt, ein bisschen zu arrogant. Du willst wissen, wie es uns mit dem Abbruch ging? Du hast recht, es ist zunächst ein Desaster und die Dinge überschlagen sich bei der Komplexität einer so großen Veranstaltung dermaßen, dass zunächst überhaupt keine Zeit bleibt, sich mit eigenen Empfindungen zu beschäftigen. Da wollen nämlich in kürzester Zeit einige weitreichenden Entscheidungen getroffen werden. Ja, dann Ratlosigkeit, Leere, ein Gefühl der Ohnmacht, auch Bange in Bezug auf mögliche Konsequenzen. Welcher Veranstalter empfindet eine abgebrochene Veranstaltung, zumal in dieser Größenordnung „Natürlich gut, das ist ja klar“?

      Aber dann die Teilnehmer und Aussteller. Hast du dich mal auch nur ansatzweise mit ihren Reaktionen beschäftigt? Ich schreibe nichts dazu, guck sie dir einfach selber an, du bist ja fit im Netz. Da kriegst du eine Ahnung davon, was uns das anfängliche Desaster noch einmal in einem ganz anderen Licht erscheinen lässt. Das hat schon was von 1. Thess. 3,7.

      • Es ist durchaus legitim, hinterher Entscheidungen durchaus kritisch zu diskutieren. Ja es ist sogar notwendig, um daraus zu lernen.

        Was aber manche, die noch nie in so einer Situation waren oder das mal nahe mitbekommen haben, nicht verstehen, ist der Zeitdruck, der Erwartungsdruck, die verschiedensten, sich teilweise widersprechenden Informationen, die auf einen einprasseln …

        und man muss dann entscheiden, denn Zeit ist eben nicht so viel da, sonst wäre das Kind in den Brunnen gefallen.

        Ja, so eine Entscheidung kann hinterher durchaus fragwürdig sein. Das betrifft nicht nur Willow sondern viele Großveranstaltungen derzeit, wobei der Zeitdruck bei Willow schon extrem gewesen sein muss.

        Aber wenn eine Entscheidung so ausfällt, dass in Zweifel der Schutz der Menschen Vorrang hat, dann war sie meines Erachtens immer zumindest nachvollziehbar und vertretbar. In der Regel sogar richtig.

Comments are closed.