Ein zehnjähriges Mädchen soll von ihrem Onkel geschwängert worden sein. Das brasilianische Gericht erlaubt einen Schwangerschaftsabbruch. Doch Abtreibungsgegner beschimpfen sie als „Mörderin“.

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In Brasilien hat der Fall eines vergewaltigten schwangeren zehnjährigen Mädchens heftige Proteste von konservativen Christen ausgelöst. Sie versammelten sich am Sonntag (Ortszeit) vor einem Krankenhaus in Recife, der Hauptstadt des Bundesstaates Pernambuco, um einen Schwangerschaftsabbruch zu verhindern, wie die Tageszeitung „Estado de São Paulo“ berichtet. Zuvor hatte das Gericht des Bundesstaates Espírito Santo eine Abtreibung erlaubt, weil das Leben des Mädchens in Gefahr sei.

In zahlreichen Videos in sozialen Medien ist zu sehen, wie die Demonstranten den Eingang blockieren und die behandelnden Ärzte am Betreten der Klinik hindern. Erst durch das Eingreifen der Polizei konnte die Blockade aufgelöst werden. Das Mädchen konnte nur geschützt durch Polizisten die Klinik betreten. Ihr wurden Rufe wie „Mörderin“ entgegengeschrien. Zuvor hatten sich Krankenhäuser trotz der richterlichen Verfügung geweigert, den Schwangerschaftsabbruch vorzunehmen.

Familienministerin bedauerte Entscheidung

Der Fall des Mädchens, das aus armen Verhältnissen stammt und bei seiner Großmutter aufwächst, wurde öffentlich, nachdem die streng christlich-konservative Familienministerin Damares Alves in sozialen Netzwerken Bedauern über die Gerichtsentscheidung geäußert hatte. Daraufhin meldeten sich weitere Politiker und Anhänger von Staatspräsident Jair Bolsonaro zu Wort und übten Druck auf die Justiz sowie die Familie des Mädchens aus.

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Die Zehnjährige aus der Stadt São Mateus in Espíritu Santo gab vor Gericht an, bereits seit dem sechsten Lebensjahr von einem Onkel missbraucht zu werden. Gegen den mutmaßlichen Vergewaltiger liegt ein Haftbefehl vor, der Mann ist aber flüchtig.

Die Debatte berührt ein Tabuthema in Brasilien. In dem südamerikanischen Land darf eine Schwangerschaft nur dann abgebrochen werden, wenn eine von den Behörden bestätigte Vergewaltigung vorliegt oder Gefahr für das Leben der Mutter besteht. Dafür muss die Frau eine gerichtliche Entscheidung erwirken.

12 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Manchmal möchte ich gar nicht mehr dazu gehören, zu diesen „evangelikalen Christen“ – das Leben des Mädchens ist in Gefahr! Bei aller Liebe zu den Ungeborenen – wie kann man dieses arme Kind nur als Mörderin bezeichnen, die doch selbst Opfer eines Verbrechens geworden ist? Erinnert mich an ganz düstere mittelalterliche Szenarien und hat mit Jesus-Nachfolge aber so gar nichts zu tun.

    • Ich finde, man sollte sich hier nicht das mediale Zerrbild der Evangelikalen zu eigen machen. Abschreckende Beispiele gibt es leider in so ziemlich allen Weltanschauungen. Brasilien und die USA sind Beispiele für Länder, in denen Evangelikale vergleichsweise viel politische Macht haben. Und genau das tut manchen einfach nicht gut. Wenn die Katholische Kirche, der Islam oder Arbeiter/Bauern/Soldaten zu viel Macht hatten, ging es auch meistens nicht gut.

  2. Es ist für mich ein Unding eine 10 Jährige als Mörderin zu titulieren.
    Ich bin für jedes Leben und gegen Abtreibung im allgemeinen. Aber hier ist der Umstand schon der eigentlich Skandal ,das der Onkel des Mädchens sie über Jahre missbrauchen konnte und sich aus seiner Verantwortung stiehlt.

  3. Eine extreme Situation und das Mädchen wird zum Spielball der unterschiedlichen Lager.
    Sie wurde zum Opfer, aber ein Abtreibung macht sie auch zur Täterin bzw. ihre Vormünder.
    Das Kind im Bauch der Mutter ist unschuldig und hat ein recht auf Leben!
    Sie könnte das Kind austragen, zur Adoption freigeben, seelsorgerliche/therapeutische Hilfe bekommen.
    Immer vorausgesetzt ihr Leben ist nicht in Gefahr!
    Anstatt teure Medienkampagnen zu finanzieren, wäre ein Hilfsfond für das Mädchen angesagt, so wäre sie aktuell gut versorgt und über Jahre materiell abgesichert.

    • Wenn eine Zehnjährige ein Kind gebären muss, dann ist ihr Leben in Gefahr, denn ihr Körper ist noch gar nicht so weit entwickelt, dass dies einigermassen gefahrlos möglich wäre (und das betrifft jetzt „nur“ die körperliche Reife, von der seelischen müssen wir in diesem traurigen Fall ja gar nicht erst reden).

      Dies ist einer der schwierigen Fälle, wo eine Entscheidung getroffen werden muss, bei der es nur Opfer gibt und man sich der Aussagen und Urteile darüber, wer ein „Mörder“ oder eine „Mörderin“ ist, lieber enthalten sollte.

      @Redaktion: Das Bild zu diesem Artikel finde ich übrigens sehr abstossend und unpassend.

      • Liebe(r) JM,

        vielen Dank für deinen Kommentar. Vielleicht magst du uns erzählen, inwiefern das Bild abstoßend und unpassend auf dich wirkt?
        Ehrlicherweise haben wir uns als Redaktion einige Gedanken gemacht, wie wir das Thema passend bebildern können. Die klassischen Symbolbilder zum Thema Abtreibung zu nehmen – also ein Mutterbauch oder ein Ultraschallbild – erschien uns erst recht unpassend. Schlussendlich haben wir uns für das obige Symbolbild entschieden, weil es für uns am ehesten die Gewalt gegen das Mädchen in den Fokus rückt. Sollten wir daran einen abstoßenden Aspekt oder eine unpassende Deutung übersehen haben, berichtige uns da gerne.

        Herzlich
        dein Jesus.de-Team

        • Danke für Eure Antwort. Ich habe schon vermutet, dass Ihr diesen Aspekt (der ja der Situation zu Grunde liegt bzw. sie herbeigeführt hat), mit dem Bild zum Ausdruck bringen möchtet.
          Für mich steht aber bei der Frage nicht die Gewalttat im Vordergrund, sondern der Schutz des Mädchens. Die Assoziationen von Beschmutzung und Bedrohung, die das Bild auslöst, passen für mich persönlich nicht mit der Tatsache zusammen, dass es bei der anstehenden Entscheidung darum gehen muss, Heilung und Zukunft für ein Kind zu schaffen.
          Frdl. Gruss zurück

    • In Spanien hat eine 10 jährige Rumänin ein Kind zur Welt gebracht. Laut eines Arztes bestand keine gesundheitliche Gefahr für die Mutter. Natürlich ist es dramatisch, wenn eine 10 Jährige ein Kind auf die Welt bringen muss, aber eine Abtreibung ist mindestens problematisch, wenn nicht sogar ein Trauma für das Mädchen. Eine Freigabe zur Adoption und seelsorgerliche/therapeutische Hilfe sind sicherlich eine gute Option und beide Leben werden im Blick gehalten. Bei einer Abtreibung stirbt ein Kind…

  4. Was ist mit dem Täter? Er hat das Mädchen seit ihrem 6. Lebensjahr, sagte sie aus.
    Er ist ihr Onkel und sei flüchtig. Nichts weiter wird über ihn erwähnt. Das Mädchen hingegen ist lebenslänglich stigmatisiert und dies öffentlich. Sie ist diejenige, die zur Rechenschaft gezogen wird und wieder und wieder durch ihr Trauma gehen muss.

    Wenn schon Demos, wo sind die gegen häusliche Gewalt und für den Schutz der Schwächeren der Gesellschaft? Wo bleiben die Aufrufe zum wertschätzenden und achtsamen Umgang mit Frauen und Kindern?
    Gewalt und Vergewaltigungen sind brandaktuelle Themen auch in christlichen Familien, wie dieser Fall wieder zeigt. Wo also sind die entsprechenden Predigten von den Kanzeln?
    Wenn Kirchengemeinden relevant sein möchten, was tun sie aktiv für diese Themen?

  5. es ist schwer abartig ein 10-jähriges-Mädchen als Mörderin zu beschimpfen, weil es nach einer Vergewaltigung von einem Familienmitglied eine Abtreibung vornimmt – um das eigene Leben zu retten. Da frage ich mich wirklich in welcher Welt wir leben und was das für Menschen sind. Sorry aber da habe ich weniger als kein Verständnis.

  6. Eine ungeheuere Lieblosigkeit

    Eine ungeheuere Lieblosigkeit ist, wenn ein junges Missbrauchsopfer falsch/konservativen Christen zum Opfer fällt.
    Den Kommentaren ist sonst nichts hinzu zu fügen. Im übrigen finde ich das Foto gut, auch wenn es thematisch zuspitzt. Ich sehe den Kopf einer Puppe – symbolisiert einen zum Gegenstand gemachten jungen Menschen – der sich in brutalen Händne befindet. Besser kann man nicht symbolisch ausdrücken, daß sexueller Mißbrauch pure Gewalt darstellt und so ziemlich das Schlimmste ist, was einem Menschen widerfahren kann. Wenngleich alle Christinnen und Christen vom Heiligen Geist angetrieben sind, so sind sie doch mit ihren teilweise unterschiedlichen Meinungen wie eine bunte Blumenwiese. Obwohl ich kein Evangelikaler bin, so würde ich sie doch auch genauso als meine Glaubensgeschwister sehen. Solche bösartigen und lieblosen Aktionen, die auch die betroffene 10Jährige noch zusätzlich stigmatisieren, würde ich Christen in Deutschland nicht zutrauen und unterstellen. Insofern könnte diese Meldung auch ein Zerrbild erzeugen. Aber jenseits von Eden gehört auch das Zerrbild leider zur Realitätserfahrung.

  7. Das ist wirklich das Allerletzte, was diese Superchristen da abgezogen haben – und wahrscheinlich, würde es nach ihnen gehen, mit allen vergewaltigten Frauen abziehen würden.
    Dass sie gezwungen werden sollen, nach erzwungenem Sex auch das so entstandene Kind auszutragen, ist eine Fortsetzung der Vergewaltigung.
    Sie als „Mörderin“ zu beschimpfen, zu bedrohen und zu bedrängen, das ist Täter-Opfer-Umkehr vom Allerfeinsten….leider alles andere als unüblich in diesen Kreisen.

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