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Wie lässt sich unsere Gottes-Beziehung beschreiben? Und wie lässt sie sich gestalten? Rainer Harter erkennt in seinem Verhältnis zu Gott eine intensive Form der Intimität. Vergleichbar mit jener, die Partner in der Ehe erleben. Ein Auszug aus seinem Buch „Brannte nicht unser Herz“:

Lassen Sie mich den Begriff „Intimität“ kurz erklären: Das deutsche Wort leitet sich vom lateinischen „intimus“ ab, was so viel bedeutet wie „dem Rand am fernsten, am weitesten innen“, und beschreibt einen Zustand tiefster Vertrautheit. Intimität und Leidenschaft sind zwei Zustände, die sehr nahe beieinanderliegen; der eine kann sogar zum anderen führen. Ich verwende „Intimität“ hier ausschließlich im Wortsinn, als Synonym für eine größtmögliche, vertrauensvolle Nähe zu Gott, und nicht im sexualisierten Sinn.

Ich genieße es, wenn ich mit meiner Frau alleine bin. Manchmal sprechen wir stundenlang kaum ein Wort miteinander, weil jeder in einem guten Buch versunken ist. Und doch sind wir beieinander, denn unsere Intimität ist über die Jahre so gewachsen, dass wir auch diese Momente als gemeinsame Zeit erleben, die wir miteinander teilen. Mit ihr habe ich eine vertrauensvolle Beziehung, wir sind uns nah. Ich stehe ihr nicht fern, ich kenne sie sehr genau. Ich kenne den Geruch ihrer Haut, die Form ihrer Füße, die Fältchen auf den Innenflächen ihrer Hände, das Aussehen ihrer Finger. Alles an ihr ist mir vertraut. Sehe ich ihre Hausschuhe im Flur stehen, wenn sie gerade nicht da ist, durchströmt mich ein Gefühl der Liebe und Zuneigung. Es sind nicht einfach Schuhe, darin stecken immer wieder ihre Füße. Diese besondere Intimität gibt es nur zwischen uns beiden, kein anderer Mensch hat Zugang zu dieser speziellen Vertrauensbeziehung. Intimität bedeutet Nähe. So ist es auch mit Gott.

Ein Freund von mir sagte einmal: „Gebet ist weitaus intimer als Sex.“ Er hat völlig recht. Die Beziehung zu Gott übersteigt die intimste Beziehung zwischen Mann und Frau. Mancher christliche Single stellt sich unter der körperlichen Zärtlichkeit mit einem geliebten Menschen die Erfüllung seiner Sehnsucht nach Intimität vor. Aber obwohl das Geschenk der Sexualität wunderschön ist, reicht es doch nicht an die erfüllende Intimität heran, die wir in der Liebesbeziehung zu Gott erleben können. In der Begegnung mit ihm werden unsere tiefsten Sehnsüchte gestillt. Wenn man das weiß und erlebt hat, wird die Bedeutung des Gebets in ein gesundes Verhältnis zu unserer Sehnsucht nach Intimität gerückt.

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Sie und ich sind in eine so nahe Beziehung zu Gott eingeladen, wie es sie sonst nur zwischen Mann und Frau gibt. Wenn ich im Folgenden das Wort „Intimität“ in Bezug auf Gott verwende, meine ich es allerdings nicht im Sinne von „Sexualität“, sondern als Beschreibung größtmöglicher Vertrautheit und Nähe, obwohl die körperliche Vereinigung ebenfalls ein grandioses Bild für die Schönheit der geistlichen Vereinigung mit Gott ist.

Gott näher kommen

Die Bibel spricht viel über Intimität, auch wenn das Wort selbst nicht verwendet wird. Ein vollendetes Beispiel finden wir im Hohelied Salomos, einem Buch, das von der großen Leidenschaft zweier Liebender berichtet. Die Intimität zwischen ihnen führt dazu, dass neue Leidenschaft in ihnen geweckt wird, die dann zu noch größerer Intimität führt. Das ist eine wichtige Beobachtung, denn auch für uns gilt: Ohne Intimität entsteht keine Leidenschaft und es gibt keine positive Entwicklung der Beziehung.

Im Hohelied sagt das Hirtenmädchen Sulamith über ihren Geliebten folgende Worte:

Ich gehöre meinem Geliebten und sein Verlangen gilt mir. Hohelied 7,11

Sie weiß genau, dass nicht nur in ihrem Herzen ein Verlangen nach dem Geliebten wohnt, sondern dass er sich auch nach ihr sehnt. Das Hohelied ist eine Allegorie auf Christus und seine Gemeinde. Da Sulamith für die Gemeinde und Salomo für Christus stehen, lesen wir hier also vom Sohn Gottes, der seine Braut leidenschaftlich liebt und sich nach ihr sehnt.

„Intimität mit Gott ist wesentlich für die Freude, Liebe und Leidenschaft, mit der wir Jesus folgen“

Jeder von uns sehnt sich nach Intimität und nach vertrautem Umgang mit einem geliebten Gegenüber. Und wir alle suchen den einen Ort, an dem wir uns sicher und geborgen fühlen und so sein können, wie wir wirklich sind. Der vollkommene Ort dafür ist in Gottes Gegenwart.

Intimität mit Gott ist wesentlich für die Freude, Liebe und Leidenschaft, mit der wir Jesus folgen. Aber sie kostet uns auch etwas. Der Weg der Intimität hat einen Preis der Entbehrung, der den Lohn in sich trägt, mit Gott in Einheit verbunden zu sein. Vergessen Sie dabei nicht, dass Intimität mit Gott nur möglich ist, wenn Ihr Gottesbild auch dem Bild des „nahen Gottes“ der Bibel entspricht, denn Intimität ohne Nähe ist unmöglich.

Bibel
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Die blutflüssige Frau, der wir im neunten Kapitel des Matthäusevangeliums begegnen, ist ein gutes Beispiel. Sie will Jesus um jeden Preis berühren. Deshalb kämpft sie sich durch eine Traube von Menschen hindurch, bevor sie ihn endlich zu fassen bekommt. Unsererseits gewinnen wir manchmal angesichts der „Traube“ von Gedanken, Emotionen und Aufgaben den Eindruck, niemals bis in die Nähe Gottes vordringen zu können. Dann braucht es eine Entscheidung.

Ich entscheide mich beispielsweise, meinen inneren Blick regelrecht auf Jesus hinzuzwingen und spreche aus, dass ich mich nicht davon abhalten lassen werde, ihm nahezukommen. Ich fokussiere mich auf mein Ziel, weil ich weiß, dass es sich lohnt, fokussiert zu sein. Denn in der Regel erlebe ich dann, dass Gott sich nden lässt. Manchmal müssen wir uns geradezu durch den Sturm unserer Gedanken kämpfen, um bei ihm anzukommen. Doch wir können immer sicher sein, dass Jesus uns anfeuert, bis zum Ziel weiterzulaufen.

Eng verbunden mit der Intimität ist auch die Hingabe. Sie sind wie zwei Säulen, auf denen unsere Beziehung zu Gott ruht. Beide gehören zusammen, weil sie einander bedingen.

Intimität und Hingabe gehören zueinander. Ohne Intimität wird Ihre Hingabe zur anstrengenden Aufgabe. Ohne Hingabe wiederum wird die Nähe zu Jesus nicht zunehmen können und Ihr Herz wird sich nicht weiter für ihn öffnen. Intimität und Hingabe sind deshalb von grundlegender Bedeutung für eine leidenschaftliche Beziehung zu Gott und für ein leidenschaftliches, von ihm geprägtes Leben. Wo sie fehlen, wird der Glaube anstrengend und die Beziehung zu Gott schläft ein.


Dieser Text ist ein Kapitel-Auszug aus dem Buch:

Rainer Harter „Brannte nicht unser Herz“

SCM R. Brockhaus

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Für Jesus.de wurde das entnommene Kapitel minimal angepasst und gekürzt.