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Kindergottesdienst gestalten – aber wie?

Der Kindergottesdienst ist weit mehr als eine Spiel- und Bastelstunde. Melanie Schmitt gibt Tipps, wie er zum lebendigen (Glaubens-) Erlebnis werden kann.

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Wenn ich zu IKEA fahre, möchten meine kleineren Kinder unbedingt mitfahren. Ganz dringend. Und das natürlich nicht, weil sie sich für Raumdesign interessieren, sondern weil es bei IKEA das Småland gibt, wo sie ins Bällebad gehen, durch Röhren klettern und skandinavische Filmklassiker anschauen können.

So sieht das bei uns aus. Ich kann mich in Ruhe für Deckenleuchten entscheiden, meine Kinder sind im Småland aufgehoben, und die ganze Familie ist glücklich. Ein toller Ausflug für alle, vor allem, wenn es zum Abschluss noch Köttbullar gibt.

Kindergottesdienst als Service?

Manchmal frage ich mich, ob vom Kindergottesdienst eine ähnliche Servicefunktion erwartet wird, wie vom Småland: Die Kinder sind dort gut verwahrt, die Eltern können ihren erwachsenen, ernsthaften Dingen nachgehen. Sie können am einen Ort in Ruhe Deckenleuchten aussuchen und am anderen Ort ungestört Predigten lauschen. Unbestritten hat ja nun beides etwas für sich.

Vom schwedischen Möbelhaus erwarte ich nichts anderes als die Verwahrung meiner Kinder. Vom Kindergottesdienst schon. Ich glaube, dass Kindergottesdienst weit mehr ist als eine Aufbewahrungsstation.

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Kindergottesdienst ist ein Wert an sich! Ein Ort, an dem Kinder von Gott und Jesus hören. Ein Ort, an dem sie dem lebendigen Gott begegnen können. Ein Ort, an dem sie auf Menschen treffen, die mit ihnen unterwegs sind.

Kindergottesdienst ist ein echtes, geistliches Ereignis. Hier wird Glaube gefeiert und gelebt, geklebt und gekleckert. In und mit Kindern jeden Alters kann sich im Kindergottesdienst ein Glaubensgeschehen entfalten und entwickeln, wenn wir die Rahmenbedingungen dazu anbieten.

Denn auch Kinder haben spirituelle Bedürfnisse; Kinder haben die gleichen spirituellen Bedürfnisse wie Erwachsene: beten, Dankbarkeit ausdrücken für Gutes, das sie erleben; Sorgen loswerden; Vergebung erfahren; sich als Teil einer Gemeinschaft erleben. Diesen Bedürfnissen können wir im Kindergottesdienst begegnen.

Kindergottesdienst ist ein Ort des geistlichen Lebens.

Kindergottesdienst ist also weit mehr als ein bisschen Trallala plus eine einfache Botschaft und dann geht es ab in die Spielecke. Kindergottesdienst ist ein Ort geistlichen Lebens.

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So unterschiedlich die Menschen sind, so unterschiedlich ist ihre Annäherung an Gott: Die einen machen sich Gedanken über die Struktur der Bibel, die anderen lieben Lobpreis, die nächsten suchen Gemeinschaft, die übernächsten die Einsamkeit oder die Natur.

Kinder entdecken spielerisch

Das ist bei erwachsenen Menschen so und bei kleinen Leuten auch. Mit einem Unterschied: Kinder gehen in ihrem Entdecken weit spielerischer vor als wir Großen. Sie nähern sich den Wahrheiten des Lebens spielerisch, erleben Situationen im Spiel nach und verarbeiten auf diese Weise Erlebnisse aus der realen Welt.

So spielt meine jüngste Tochter Ida sehr viel und intensiv mit ihrer Puppe Leni. Die Puppe Leni hat dabei die meiste Zeit ein Pflaster auf dem Auge – Leni wurde „im Spiel“ gerade am Auge operiert, und es überrascht wohl niemanden zu erfahren, dass auch meine Ida „in echt“ am Auge operiert wurde.

Selbertun ist unersetzlich

Ida spielt das nun immer und immer wieder. Sie verarbeitet ihr Operationserlebnis, indem sie es immer wieder nachspielt. Kinder haben das Bedürfnis, die Welt spielerisch zu verarbeiten, zu entdecken, zu erforschen und zu begreifen.

Für sie ist das Selbertun unersetzlich: Sie müssen tun, um zu begreifen. Sie können sich eine Geschichte am besten erschließen, indem sie Materialien anfassen und bespielen dürfen, die mit der Geschichte zu tun haben.

Gehörtes im Spiel wiederholen

Beim Erarbeiten der Lektionen eines Kindergottesdienstes gilt es genau daran zu denken: Wir überlegen uns Möglichkeiten, wie die Kinder das, was sie zuvor in der Geschichte gehört haben, noch einmal im Spiel wiederholen könnten.

Das Entdecken gibt den kleinen Gottesdienstbesuchern nach dem Hören der Geschichte die Gelegenheit, das Gehörte auf kindliche Art und Weise für sich weiter zu erschließen: nämlich auf eine kreativ-spielerische Art, die zwar einen Rahmen absteckt, indem sie Materialien stellt, ansonsten aber wenig vorgibt.

Spielen soll dabei das Erzählen der Geschichte nicht ersetzen, es kommt nach dem Erzählen.

Wichtig zu wissen: Das Spielen soll dabei das Erzählen der Geschichte nicht ersetzen, es kommt nach dem Erzählen. Es soll das Erzählen vielmehr ergänzen. Soll den Kindern die Möglichkeit geben, sich mit der Welt, von der sie eben gehört haben, vertraut zu machen. Soll einen kindergartenkindgemäßen, weil spielerisch-entdeckenden Zugang zum Thema eröffnen.

Die Kinder bekommen zum Beispiel Elemente, die auch in der Geschichte vorkamen und werden eingeladen, damit zu spielen: Figuren, Häuser, Schafe, … So können sie für sich noch einmal die Geschichte nachspielen und nacherleben.

Zum Spielen einfach mitbringen, was man so hat

Nachdem ein Mitarbeitender zu Beginn ein wenig mit den Kindern mitgespielt hat, zieht er sich zunehmend zurück und lässt die Kinder selbst ihr Spiel entwickeln. Wenn die Kinder dabei vom Thema abkommen und woanders wieder auftauchen, ist das nicht weiter tragisch. Vorschulkinder sind in der Regel auch noch nicht so kritisch mit der zeitgemäßen Bekleidung der Figuren oder mit Größenverhältnissen – als Mitarbeitender kann man einfach mitbringen, was man so hat.

Wer Playmobil® dabei hat, mit dem die Kinder die Geschichte nachspielen können, der kann weitere Elemente einfügen. Wenn etwa vom Volk Israel die Rede ist, das in der Hitze der Wüste unterwegs ist, dann kann man zum Beispiel auf einem Backblech Sand erwärmen und mit den Kindern im warmen Sand spielen: „Puh, der Sand ist ganz schön heiß! Das tut ja fast weh an den Füßen! Kommt, wir müssen noch weiterlaufen …“

Geschichten lebendig werden lassen

Der Weg durch die Wüste war echt weit: „Boah, war der weit! So weit!“ Mit Klebeband können die Kinder auf den Boden Wege kleben und ihre Figuren darauf entlang gehen lassen. Und es ist ja nicht nur so, dass der Weg durch die Wüste so wahnsinnig weit ist. In der Wüste gibt es auch kein Wasser. „Puh ist das heiß! Und kein Wasser! Der Mund ist schon ganz trocken!“

Jeder (und damit meine ich wirklich jeden, ob Kind, Mitarbeitender oder anwesende Eltern) bekommt eine oder mehrere Backoblate(n), legt sie sich auf die Zunge und lässt sie dort einen Moment. „Puh, ist das trocken! So ein Gefühl hatten Mose und seine Leute da in der Wüste im Mund … und kein Wasser … Zum Glück hat Gott ihnen eine Quelle gezeigt. Schnell was trinken!“

So gibt es unendlich viele Beispiele, wie Kindergottesdienst zu einem Moment werden kann, in dem Kinder Gott und die Geschichten über ihn näher begreifen und erleben können, indem wir ihnen einen spielerischen Zugang eröffnen und ihrer Entdeckerfreude Raum geben.

Kindergottesdienst ist ein vollwertiger Gottesdienst […]

Damit es nicht zu Missverständnissen kommt: Ich meine zwar, dass es wertvoll ist, sich die Glaubenswelt spielerisch zu erschließen, ich meine aber nicht, dass wir das Beten, das Vergeben, das Lob Gottes mit den Kindern nur spielen. Nein, Kindergottesdienst ist ein vollwertiger Gottesdienst, in dem wir es den Kindern – und den Mitarbeitern – ermöglichen wollen, mit Gott ganz „in echt“ in Kontakt zu kommen – auf vielfältige Weise!

Wenn wir die Entdeckerfreude von Kindergartenkindern im Blick behalten, können wir gemeinsam mit den Kindern Glauben leben, statt Glauben (nur) zu lehren. Kindergottesdienst ist dann weit mehr als eine Aufbewahrungsstation und auch mehr als das Hören von Bibelgeschichten.

Kindergottesdienst ist ein geistliches Ereignis in der Gegenwart, ein Ort, um miteinander Glauben zu leben und zu erleben. Ganz real. Oft neu. Häufig unperfekt. Immer kostbar.

Melanie Schmitt ist als Redakteurin von KLGG verantwortlich für Kindergottesdienstentwürfe. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren vier Kindern im Taunus. Ihre Kinder baten darum, noch zu ergänzen, dass sie bei IKEA nicht nur gerne spielen, sondern auch essen. Ihrer Meinung nach besteht der Unterschied zwischen IKEA und KiGo darin, dass sich die Mitarbeiter bei zweitem richtig toll mit ihnen beschäftigen. Das finden sie prima. Dass man im Möbelhaus nur sehr wenig von Gott hört, ist ihnen auch schon aufgefallen.


Weiterdenken:

  • Was bedeutet für uns Kindergottesdienst?
  • Welchen Stellenwert hat er?
  • Nehmen wir die spirituellen Bedürfnisse der Kinder wahr? Wie reagieren wir darauf?
  • Was haben wir zuletzt von unseren Kindergottesdienst-Kindern gelernt?
  • Wo sehen wir „unsere“ Kinder in zehn Jahren? Was tun wir dafür?

Weiterlesen:


Dieser Artikel ist in der Zeitschrift Kleine Leute – Großer Gott (KLGG). KLGG wird vom SCM Bundes-Verlag herausgegeben, zu dem auch Jesus.de gehört.

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1 Kommentar

  1. „Mitarbeitende“?
    Warum an dieser Stelle die falsche Verlaufsform. Es wurde doch gerade erklärt, dass der Mitarbeiter Im KiGo an dieser Stelle ein sich zurückziehender Beobachter sein sollte …

Die Kommentarspalte wurde geschlossen.