Von Jesus reden oder diakonisch handeln – was ist wichtiger? „Weder – noch“, findet der Theologe Arndt Schnepper. Er bevorzugt einen dritten Weg.

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Wie können wir Jesus Christus zum Gesprächsthema werden lassen? Wer sich für diese Frage interessiert, weiß, dass sich die Empfehlungen grob gesagt in zwei Lager teilen lassen: Die eine Gruppe favorisiert die sogenannte „missionarische Gesprächsführung“. Die sieht meist so aus, dass man mal aktiv und manchmal auch passiv nach einer Gelegenheit sucht, um über den Glauben zu sprechen. Die zweite Gruppe bevorzugt hingegen den Ansatz des „ansteckenden Christseins“. Die Überlegung ist, als Individuum oder als ganze Gemeinde so zu leben, dass Menschen neugierig werden und darüber ins Gespräch um Gott geraten.

Beide Ansätze haben, so meine ich, ihre biblische Berechtigung und verweisen auf einen großen Erfahrungsschatz. Manchmal ist es auch eine Frage von persönlicher Begabung und Neigung, welches Modell man stärker verfolgt. Darum ist es meines Erachtens auch verkehrt, den einen Ansatz gegen den anderen ausspielen. Auch hier gilt: Alles hat seine Zeit und seinen Ort.

Grenzen der Sprache und des Tuns

Und dennoch habe ich den Eindruck, dass es Momente gibt, in denen weder das missionarische Reden noch das missionarische Handeln so richtig greifen. Ist es nicht so? Häufig machen wir die Erfahrung, dass das Reden gar nicht so einfach ist. Denn wenn wir ein wenig aus der Deckung kommen, werden wir rasch als übergriffig empfunden. Der feine Grat zwischen Schweigen und zu viel Sagen ist oft schmal. Und auch das ansteckende Handeln hat seine Schranken. Für mein Empfinden überschätzen wir da oft unsere Möglichkeiten. Die Vorstellung, dass unsere Nachbarn uns auf die Schulter tippen und sich erkundigen, warum wir uns so vorbildlich verhalten, ist sehr idealistisch und hat wenig mit der Wirklichkeit zu tun.

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Meine Wahrnehmung ist, dass unter evangelistischen Gesichtspunkten unser Reden die Menschen manchmal überfordert, unser Handeln allein sie dagegen unterfordert. Um nicht missverstanden zu werden: Sowohl das zeugnishafte Reden als auch die Nächstenliebe sind für mich die beiden Grundpfeiler des missionarischen Lebensstils. Und dass wir bei allem nichts von uns aus „machen“ können, sondern auf Gott angewiesen sind, ist mir auch klar. Ich bin aber überzeugt, dass wir gewinnen werden, wenn wir eine dritte Dimension miteinbeziehen. Ich meine hierbei eine Form der Glaubensweitergabe, die Reden und Handeln zusammenbringt. Ich nenne sie einmal das „symbolische Handeln“.

Hierbei geht es darum, zeichenhafte Handlungen zu praktizieren, die ohne viel Reden dennoch sehr mitteilsam sind und somit zum Nachdenken anregen können.

Biblische Grundierung

Diese Form der symbolischen Glaubensweitergabe ist zutiefst im biblischen Denken verwurzelt und zieht sich wie eine goldene Linie durch das Alte sowie das Neue Testament. Einige Beispiel seien genannt: Als Israel die ägyptische Sklaverei verließ und in das neue Land zog, ging es um alles. Man betrat eine neue Welt, die erfüllt war mit fremden Göttern. In dieser kritischen Phase gab Gott seinem Volk mehrere Regeln an die Hand, wie es den Glauben an die nächsten Generationen weitergeben konnte. In 5. Mose 6 werden diese Wege genannt: Zum einen sollte man von Gott und seinem Wort sprechen (Vers 7) – sicher, das ist uns geläufig. Gleichzeitig sollte man aber auch symbolisch auf ihn hinweisen: Etwa, indem man heilige Worte an den Körper (Vers 8), die Tür oder das Tor (Vers 9) anbrachte. Die Menschen sollten also Gottes Wort nicht nur hören, sondern auch sehen.

Jesus als Israelit griff diese Linie auf und setzte sie höchst anschaulich um. Natürlich redete er, auch wenn es den Leuten nicht immer passte. Und selbstverständlich lebte und handelte er, sodass die Menschen am Ende Gott priesen oder ihn fürchteten. Aber er wusste auch beide Momente miteinander zu verbinden. Dann handelte er so, dass jedermann sofort wusste, was gemeint war. Dementsprechend war die Berufung der zwölf Jünger eine deutliche Anspielung auf die zwölf Stämme Israels und somit das neue Verständnis von Gottes Volk. Und die Vertreibung der Händler aus dem Tempel diente als Zeichen, dass es bald einen neuen Ort der Präsenz Gottes geben werde.

Zeichen, die verstanden werden

Wie könnten wir nun heute symbolisch leben? Was können wir tun, dass Reden und Handeln so miteinander verbunden werden? Klar ist: Manches von dem, was in der Bibel geschildert wird, könnten heute nur noch Eingeweihte verstehen. Dazu zählen etwa die zeichenhaften Handlungen, die uns von den Propheten Israels berichtet werden, wie etwa das Zeichen Jesajas, der drei Jahre nackt umherlief, oder das Symbol Hoseas, der eine untreue Frau heiratete. Ich möchte den Blick auf Zeichen und Symbole lenken, die auch heute weitestgehend verstanden werden, und somit auch Wegweiser zum Glauben werden können.

Sie sind allesamt keine exotischen Handlungsanweisungen, sondern seit Jahrhunderten in der christlichen Frömmigkeit verankert und sprechen eine klare Sprache.

Kreuze tragen

Ich beginne mit dem Tragen von Zeichen am Körper. Aufgewachsen bin ich selbst in einer Gemeindewelt, in der Kreuze als Schmuck eher verpönt waren. Man solle Jesus, so die Begründung, nicht um den Hals, sondern im Herzen tragen. Das traf damals sicher auch einen wichtigen Kern. Doch mittlerweile leben wir in einer Welt, in der christliche Symbole alles andere als normal gelten. Im Gegenteil: Wer sie heute nutzt, bekennt eindeutig seinen Herrn. Und ich mache die Erfahrung, dass frisch gewordene Christen sehr gerne solche Zeichen nutzen. Vor einiger Zeit schenkte mir ein Freund ein schönes Kreuz aus Silber. Wenn ich es nun trage, merke ich rasch, wie sehr die Leute es sofort in den Blick nehmen. Es spricht einfach für sich.

Häuser beschriften

In unseren Altstädten finden sich oft Fachwerkhäuser mit Hausinschriften. Je nach Erbauer finden sich dort entweder allgemeine Lebensweisheiten oder Zitate der Heiligen Schrift. Im zweiten Fall waren es häufig engagierte Christen, die damit ihren Glauben zum Ausdruck brachten. Es fällt nicht schwer, diese Tradition in die Gegenwart zu übertragen. Ich lernte einmal ein Ehepaar kennen, das nach der Hauserstellung einen Bibelvers als Bronzeplatte neben der Eingangstür anbrachte. Das war für Nachbarn und Postboten immer wieder ein willkommener Anstoß, über den Glauben zu sprechen. Und wer in einer Wohnung lebt, kann ebenso ein schönes Segenskreuz oder ein Bibelwort an die Wand hängen. Ob wir dann mit unseren Gästen darüber sprechen oder nicht: Das Zeichen wird gesehen und wahrgenommen.

Grüße entrichten

Das gegenseitige Grüßen ist von alters her eine Höflichkeit, bei dem wir unser Gegenüber wahrnehmen und willkommen heißen. Auch wenn es heute vielen Menschen zunehmend schwerfällt, es zu tun, so wird es eigentlich immer als angenehm empfunden. Nun kann man bekanntlich sehr unterschiedlich grüßen. Meine Erfahrung ist, dass die christliche Variante des Grüßens heute den Aufmerksamkeitspegel spürbar ansteigen lässt.

Wie sähe das aus? Zum einen geht es um die Feiertage, die ja fast alle einen christlichen Hintergrund haben. Ich lade Sie ein, die Probe aufs Exempel zu machen, etwa zu Pfingsten. Grüßen Sie das nächste Mal in der Nachbarschaft oder beim Spazierengehen nicht nur mit einem „Tag“, „Hallo“ oder „Moin“, sondern sagen Sie „Frohe Pfingsten“. Ganz nebenbei dokumentieren wir somit, dass es am besagten Tag nicht nur um freie Zeit geht, sondern dass mehr dahintersteckt. Oder denken wir an den Sonntag. Warum nicht einfach mal einen „Gesegneten Sonntag“ wünschen? Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Es ist ein Signal, das seine Wirkung nicht verfehlen wird.

Tischgebete sprechen

Das Dankgebet vor dem Essen ist ein persönliches Zeichen – und ein öffentliches. Und es ist viel verloren gegangen, seitdem wir es nicht mehr so häufig praktizieren wie ehedem. Denken wir an die Räume, an denen wir außer Haus zu essen pflegen: die Kantine, die Mensa, das Flugzeug oder das Restaurant. Es sind zumeist Orte, wo Gott weitestgehend außen vor ist. Nichts, aber auch gar nichts weist auf ihn hin. Es wird zwar viel geredet, aber um Gott ist es ziemlich still. Wer hier seine Hände faltet oder sich vielleicht sogar bekreuzigt, weiß um die stille Kraft des Zeichens, das er setzt. Und so wird das Gebet zur Demonstration der göttlichen Wirklichkeit. Wenn man in Gemeinschaft ist, will man sein Gegenüber natürlich nicht brüskieren. Da hilft eine höfliche Frage, ob man kurz vor der Mahlzeit beten darf. Und das ist ein Wunsch, der meistens seine Spuren hinterlässt.

Etwas zum Lesen geben

Oft sprechen wir heute abfällig von der sogenannten „Traktatmission“. Dabei geht es bekanntlich um die Weitergabe von kleinen Schriften, die zum Glauben einladen. Es stimmt ja: Wer denkt, man könne mit dem bloßen Verteilen von Literatur Menschen für Jesus gewinnen, wird oft enttäuscht. Andererseits kann aber der gezielte Einsatz durchaus Resonanzen erzielen. Je nach Gegenüber reicht manchmal ein Bibelvers, in anderen Fällen ist auch eine ganze Bibel in Ordnung. Indem ich nun solches weitergebe, bringe ich zum Ausdruck, dass dieser Inhalt mir durchaus wichtig ist. Und ich vermittle etwas, was ich im mündlichen Gespräch so rasch gar nicht sagen könnte. Darum haben meine Frau und ich es uns auch zur Gewohnheit gemacht, Handwerkern im Haus oder Postboten anlässlich der Festtage neben dem üblichen Trinkgeld auch eine christliche Spruchkarte oder Ähnliches mitzugeben. Interesse ist die geläufigste Reaktion.

Gott zur Sprache bringen

Erhebungen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) legen nahe, dass in Deutschland das Sprechen über religiöse Themen fast nur noch im familiären Raum erfolgt. Im Alltag wird das Reden über Gott dagegen weitestgehend vermieden. Es mag sein, dass die Uhren in unseren Gemeinden noch ein wenig anders ticken. Aber im Großen und Ganzen tun auch wir uns ziemlich schwer. Beginnen wir wieder, Jesus zur Sprache zu bringen. Warum eigentlich nicht?


Dieser Artikel von Arndt Schnepper erschien zuerst in der Zeitschrift Christsein Heute (Ausgabe 10/2020). Christsein Heute ist das Magazin der Freien evangelischen Gemeinden und erscheint monatlich im SCM Bundes-Verlag, zu dem auch Jesus.de gehört.

 

 

 

1 DIREKT-KOMMENTAR

  1. Gute Impulse und Informationen! Danke
    „…Beginnen wir wieder, Jesus zur Sprache zu bringen. Warum eigentlich nicht?“

    Genau, warum eigentlich nicht!?
    Segnen wir unsere Kinder bevor sie sich auf den Schulweg machen,
    Beginnen und beenden wir jeden Tag mit Gottes Wort, mit Gebet und Dank.
    Befehlen wir täglich all unsere Lieben seiner Barmherzigkeit an und alle Menschen,
    die wir auf unseren Wegen begegnen. Wer segnet, wirkt Heilsames

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