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Am Samstag demonstrieren wieder tausende Lebensschützer beim "Marsch für das Leben" in Berlin. Die Linkspartei hat zu Blockaden aufgerufen, auch die Landeskirche positionierte sich klar gegen die Abtreibungsgegner.

Der "Marsch für das Leben" ist auch 2015 ein Politikum – wie in den Jahren zuvor. Besonders die Linke legt sich gerne mit den Lebensschützern an. Im vergangenen Jahr hatte die Partei eine Kleine Anfrage an die Bundesregierung gestellt. Unter anderem wollte die Linke wissen, ob Lebensschützer Ärzte oder Frauen bedrängt hätten, die sich für eine Abtreibung entschieden hatten. Die Antwort der Bundesregierung lautete: Dazu sei nichts bekannt.

Im Juni dieses Jahres meldete sich die Linken-Vorsitzende Katja Kipping zu Wort. In einer Pressemitteilung forderte sie, dass Frauen ihre Schwangerschaft auch dann abbrechen dürfen sollen, wenn sie keine Beratung in Anspruch nehmen. Diese ist im Moment noch Pflicht. Schwangere, die eine Abtreibung wollen, müssen laut Paragraf 218a des Strafgesetzbuchs zuvor bei einer Schwangerschaftskonfliktberatung waren.
Kipping warnte davor, dass "vermehrt religiöse Fundamentalistinnen und Fundamentalisten und Abtreibungsgegnerinnen und Abtreibungsgegner auf die Straße" gingen, die "die sexuelle Selbstbestimmung der Frau in Frage stellen". Damit meinte die Politikerin den „Marsch für das Leben“ am 19. September in Berlin. Sie rief nicht nur zu Gegendemonstrationen, sondern auch zu Blockaden auf.

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Sitzblockaden "legitimes Mittel symbolischen zivilen Ungehorsams"

Daraufhin bekam Kipping Post von Wolfgang Baake, dem Beauftragten der Evangelischen Allianz am Sitz des Bundestages und der Bundesregierung. Die Demonstranten des Marsches für das Leben seien keine Fundamentalisten, sondern Christen aller Konfessionen, schrieb Baake. In einer Demokratie dürfe es unterschiedliche Meinungen geben. Statt die Demonstration zu blockieren, schlug Baake vor, Kipping solle sich dem Marsch für das Leben anschließen: "So könnten Sie dann aus eigenem Erleben und sehr authentisch darüber berichten, ob es sich bei den Teilnehmern des Marsches für das Leben tatsächlich um christliche Fundamentalisten und Neokonservative handelt." Die Evangelische Allianz wird auf der Webseite des "Marsches für das Leben" als "ideeller Unterstützer" aufgeführt.

Laut der Deutschen Vereinigung für eine Christliche Kultur hält Kipping an ihrem Aufruf fest. Sitzdemonstrationen seien ein "legitimes Mittel symbolischen zivilen Ungehorsams", habe Kipping auf den Protest der Allianz geantwortet. Auch in den vergangenen Jahren habe es solche Blockaden gegeben. "Ich glaube nicht, dass sich irgendeiner der TeilnehmerInnen der vergangenen Jahre geängstigt oder eingeschüchtert gefühlt hat", teilte Kipping mit.

Dagegen hatten Teilnehmer des "Marsches für das Leben" in den vergangenen Jahren von Übergriffen linksradikaler Demonstranten berichtet. So seien 2010 laut dem Bundesverband Lebensrecht einige der weißen Kreuze, die die Lebensschützer während des Marsches in den Händen halten, von Gegnern entrissen und in die Spree geworfen worden. Der Verband organisiert die jährliche Demonstration der Lebensschützer.

Evangelische Landeskirche distanziert sich

Die Katholische Kirche gilt als Unterstützer des Marschs. Unter anderem hat Papst Franziskus in diesem Jahr wieder ein Grußwort übersandt, in dem er den Teilnehmern "von Herzen Gottes reichen Segen" wünschte. Anders sieht es bei der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) aus. Sie weigerte sich, anders als die Katholische Kirche, ihre Mitglieder über den internen Postweg über den "Marsch für das Leben" zu informieren. EKBO-Pressesprecherin Heike Krohn sagte gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea, die EKBO distanziere sich von "aggressiven und menschenverachtenden Äußerungen in der öffentlichen Auseinandersetzung". Die Landeskirche biete ergebnisoffene Schwangerschaftskonfliktberatung an und stehe damit im Gegensatz zu den Anliegen des "Marschs für das Leben".

Grußworte zum "Marsch für das Leben" am Samstag kommen unter anderem vom Vorsitzenden der Unionsfraktion im Bundestag, Volker Kauder, den CDU-Abgeordneten Hubert Hüppe und Patrick Sensburg sowie Johannes Singhammer (CSU).

Im vergangenen Jahr nahmen etwa 5.000 Menschen an der Demonstration teil. Der Veranstalter will damit nach eigenen Angaben "der Kinder, die Tag für Tag in Deutschland noch vor ihrer Geburt getötet werden", gedenken. Der "Marsch für das Leben" steht unter dem Motto "Ja zum Leben – für ein Europa ohne Abtreibung und Euthanasie!"

(Quelle: Christliches Medienmagazin Pro)