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Wenn Glaube unter die Haut geht – Künstler sticht Bibel-Tattoos

Jeder Fünfte in Deutschland ist laut einer Umfrage tätowiert, bei den 20-Jährigen sogar fast jeder Zweite. Für den Tattoo-Künstler Silas Becks, selbst bekennender Christ, sind religiöse Motive ein ganz besonderes Glaubensbekenntnis.

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Von Carina Dobra (epd)

Gerade noch war es andächtig still, einige Menschen sitzen auf den Kirchenbänken, die Hände gefaltet zum Gebet. Es ist Mittagszeit in der katholischen Liebfrauenkirche in der Innenstadt von Frankfurt am Main. Rechts neben dem Altar ein ungewohntes Geräusch: Eine Tätowier-Nadel surrt auf dem Oberarm einer Frau, ein heller Spot gibt dem Tattookünstler Silas Becks das notwendige Licht.

Der Stuttgarter hat seine Kundin Antje vor der Orgel platziert. Die Hessin hat sich bei ihrem vierten Tattoo für das Wort „Agape“ entschieden. „Das bedeutet selbstlose Liebe. Die Liebe gegenüber allen Mitmenschen und auch die Selbstliebe“, erklärt die Biologin aus Hainburg. „Wenn das so wäre, dass wir alle unsere Mitmenschen lieben und auch jeder und jede sich selbst, dann würde es uns allen besser gehen.“ Antje ist eigentlich keine Kirchgängerin. Als gläubig würde sie sich aber schon bezeichnen. Von der Aktion habe sie über Instagram erfahren – und bei der Verlosung eines kostenlosen Tattoos gewonnen.

Becks trägt Bibel-Tattoo

Silas Becks tätowiert schon zum zweiten Mal in der Frankfurter Kirche. Die Idee zum „Tattoo-Walk-In“ kam dem Team der Erwachsenenbildung des Bistums Limburg gemeinsam mit dem Citykloster Liebfrauen. Künstler Becks fühlt sich geehrt. Der 40-Jährige ist selbst gläubiger Christ, trägt ein Bibel-Tattoo auf dem Hals.

„Andere tragen einen Rosenkranz. Den kann man ablegen. Ich will meinen Glauben immer bei mir haben und zeigen“, sagt der Tätowierer und schiebt sich seinen Shirt-Kragen wieder zurecht. Becks hat sich auf Kalligrafien, also Schriften, spezialisiert. Viele Menschen entschieden sich für spirituelle Motive und Schriftzüge, erklärt er. „Die meisten bedienen sich da auch aus verschiedenen Glaubensrichtungen, wie zum Beispiel dem Buddhismus.“

Tattoos und Kirche – das passt nicht für jeden zusammen

Immer wieder muss Becks sich gegen Vorurteile wehren, Tattoos seien „Teufelszeug“. Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen und dem Theologen Paul-Henri Campbell hat er den katholischen Bildungsverband der Tätowierer gegründet. „Societas indelebilis“ möchte einen Beitrag zur Entmystifizierung von Tattoos leisten: „Tattoos haben eine jahrhundertealte Tradition im Christentum“, betont Becks.

Im Mittelalter etwa versuchten Franziskaner, die Leiden Christi durch Tätowierungen erfahrbar zu machen. In Pilgerberichten finden sich Erzählungen darüber, dass in Jerusalem und Santiago de Compostela die Wallfahrer tätowiert wurden. Koptische Christen stechen bis heute ein Kreuz auf das rechte Handgelenk. All das wüssten viele Menschen nicht. Daher ist es Becks wichtig, miteinander ins Gespräch zu kommen. Aktionen wie der „Tattoo-Walk-In“ seien dafür gut geeignet. Der Verband plane weitere ähnliche Aktivitäten, kündigt Becks an.

Beschwerden schafften es bis zum Vatikan

Nach der ersten Tattoo-Aktion vor einem Jahr habe es sogar zwei schriftliche Beschwerden gegeben, die es bis zum Vatikan geschafft hätten, berichtet Becks. Das Bistum Limburg aber habe sich hinter die Aktion gestellt und sie in diesem Jahr wiederholt.

Zum Tätowieren kam Becks „wie die Jungfrau zum Kinde“, wie er erzählt: Ein Bekannter habe damals seine Entwürfe gesehen und den Anstoß gegeben. Seit 20 Jahren tätowiert er in seinem Stuttgarter Studio „Mommy I’m Sorry“. Dort sei er nicht nur Dienstleister, sondern auch Seelsorger, sagt er: „Ich höre da teilweise schlimme Geschichten. Das geht nicht spurlos an einem vorbei.“ Wichtig sei es, ein gutes Gleichgewicht zu finden und nicht alles mit nach Hause zu nehmen.

Silas Becks bei der Arbeit

Link: Umfrage zum Tätowieren

Quelleepd

6 Kommentare

  1. Finde die Diskussion darüber einfach lamentabel. Und fällig aus der Zeit gefallen.
    Bestes Beispiel: OP – Narbe , Tumor entfernt, Gott sei Dank erst einmal alles gut. Dann wird diese Narbe von einem Tatoo verdeckt, in dem auf hebräisch „ Gott sei Dank“ steht.
    Und nun ? Habe keine psychischen Probleme ( @Hallo Andi) , bin nicht Homo und betreibe keinen Totenkult ( @Hallo Jörg)
    Und zu Herrn Wüschem : Wegen derartigern Statements bin ich aus der Freikirche raus. Fundis gibt es leider zu oft, in allen Religionen, zu oft wird alles verdreht.
    Dabei ist die christliche Botschaft so einfach ! Pace e bene

  2. Gott sind Tätowierte und Männer die bei Männer liegen ein Greul. Ich habe mich einmal tätowieren lassen und habe mir eingeredet, das Verbot ist nur für das jüdische Volk. Es war ein Fehler, den ich heute bereue.. Jeder muss sich vor Gott der Verantwortung für sein Leben stellen.

  3. 3. Mose 19:
    28 Ihr sollt um eines Toten willen an eurem Leibe keine Einschnitte machen noch euch Zeichen einritzen; ich bin der HERR.

    Diese Weisung betrifft meines Erachtens zwar nur Juden, aber das sehen Christen ja oft anders (siehe z.B. Stellen zu Homosexualität und vielem mehr, wo auch die Thora immer herhalten muss).

    • Leider wird ein Teil dieser Weisung von uns Christen nur allzu gerne unterschlagen, Joerg: …“um eines Toten Willen…“ Dies meinte die heidnische Praxis, sich bei einem Todesfall in der Familie zu ritzen. Dies war Teil eines Totenkults, der die Ahnen zu Göttern oder zu Dämonen erhob.

      Ich persönlich bin nicht tätowiert, finde auch, dass manche Tatoos auf psychische Probleme hinweisen können. Doch rein aus biblischer Sicht ist die Paxis, Bilder auf der Haut zu verewigen, nicht verboten.

      • > Dies meinte die heidnische Praxis, sich bei einem Todesfall in der Familie zu ritzen.

        Vorab: ich habe die Stelle hier in die Diskussion eingeführt, weil es die einzige Stelle in der Bibel ist, die sich mit Tatoos befasst. Ich selbst habe keine Tatoos, mir ist es aber ziemlich egal, ob andere welche haben. Ich finde nur die meisten Tatoos auch ziemlich häßlich, wirklich schöne sind eher selten, aber das ist ein anderes Thema.

        Zu Deinem Einwand: 3. Mose, also das Buch Levitikus, ist, wie ich schrieb, ein jüdisches. Und die dortigen Weisungen betreffen folglich nur die Juden (Ausnahme ist das Buch Genesis, das enthält Weisungen für alle Menschen). Was aber viele Christen, zumindest teilweise, je nach Bibelstelle) auch anders sehen.

        Will man wissen, wie die Juden diese ihre Bibelstelle verstehen, bietet sich im deutschen Sprachraum der jüdische Kommentar Plaut an. Es ist schlicht DER deutschsprachige jüdische Kommentar. Dieser schreibt hierzu, dass es hier darum geht, verschiedene heidnische Bräuche nicht zu befolgen. Das meint hier das Zerstören eines Bartes (daher kommen übrigens die jüdischen Schläfenlocken), sich zum Zeichen der Trauer zu verwunden oder eben (und das bezieht Plaut nicht auf Trauer), sich tätowieren zu lassen.
        (Plaut, Die Tora, Band 3, Seite 197)

        Plaut vermutet, dass es beim verbotenen Tätowieren um heidnische Symbole geht.

        Diese Stelle lässt folglich hier eine breite Interpretationsspanne zu.

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