17 Millionen Euro will die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) im nächsten Jahrzehnt pro Jahr einsparen. Das entspricht 20 bis 30 Prozent der heutigen Ausgaben. Betroffen sind auch die kirchlichen Hochschulen.

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Von Corinna Buschow und Karsten Frerichs (epd)

Dass aufgrund des Mitgliederverlusts der Spardruck wächst, ist für die Kirche keine Neuigkeit. In vielen der 20 Landeskirchen sind längst Sparprozesse und Strukturveränderungen angeschoben. Die EKD – der Zusammenschluss aller Landeskirchen – will diese Prozesse aber künftig stärker an gemeinsamen Zielen ausgerichtet sehen.

Auf der Synode am Sonntag und Montag soll beraten und beschlossen werden, wo künftig Prioritäten liegen – und wo gespart wird. Dafür liegt den Synodalen auch eine Streichliste der EKD vor, die Hinweise auf den künftigen Kurs gibt.

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135 Seiten umfasst das Papier zur „Neuorientierung der Finanzstrategie“ und es zeigt zunächst, in welchen Bereichen sich die EKD engagiert, darunter Bildung, Auslandsaustausch, Polizeiseelsorge, Friedensarbeit. Versehen ist jeder Posten mit einem nominalen und einem – die Inflation berücksichtigenden – realen Einsparwert. Verabschieden will man sich von Aktivitäten, „die an Ausstrahlung verloren haben“, heißt es. Das bedeute, Bewährtes zu stärken und „Abschied von Vertrautem“ zu nehmen.

Kirchliche Hochschulen auf der „Streichliste“

Auf der Sparliste, die noch unter dem Vorbehalt eines Synodenbeschlusses steht, finden sich unter anderen kirchliche Hochschulen, die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen und das Zentrum für Frauen und Männer. Für dieses will die EKD 2030 nur noch 289.700 Euro aufwenden, nach 895.000 Euro im Jahr 2019. Überprüft oder gestrichen werden sollen auch Zuwendungen für Stiftungen wie die der Johannes-a-Lasco-Bibliothek in Emden sowie für die Evangelische Wittenbergstiftung und die Stiftung Luthergedenkstätten.

Welche Folgen der Rotstift jeweils für die Einrichtungen und Arbeitsbereiche hat, ist unterschiedlich. Einige davon sind nicht allein auf die EKD-Mittel angewiesen. Wenn aber die kirchlichen Haushaltstöpfe insgesamt kleiner werden, dürfte eine drastische Kürzung aufseiten der EKD mittelfristig das Aus bedeuten.

Kürzungen sieht das Papier auch bei der Seelsorge in der Bundespolizei vor. Das erst vor einem Jahr geschaffene Amt eines eigenen Antisemitismusbeauftragten könnte nach den Planungen der Finanzer schon nach der ersten Amtszeit wieder auslaufen. Der Beauftragte steht im Papier für 2025 nur noch mit der Hälfte der Summe in den Planungen, 2030 dann auf „0“. Mit Einschnitten rechnen muss auch die traditionsreiche Nichtregierungsorganisation Aktion Sühnezeichnen Friedensdienste. Für 2030 steht sie noch mit Zuwendungen in Höhe von knapp 185.000 Euro in den Planungen. Heute sind es 210.000 Euro.

Auch zur Evangelischen Journalistenschule (EJS) in Berlin, über deren mögliche Schließung seit Februar öffentlich debattiert wird, enthält die neue EKD-Finanzstrategie eine Aussage: Aus dem Verweis auf eine bereits laufende Restrukturierung beim Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (GEP), das bis 2024 1,9 Millionen Euro einsparen muss, lässt sich herauslesen, dass die Finanzplaner wenig Spielraum für eine Fortführung der Schule sehen. Allerdings heißt es, dass „Möglichkeiten der Stärkung der journalistischen Fortbildung“ im GEP bedacht würden, und auch von möglichen Synergien mit Gliedkirchen ist die Rede. Das GEP ist die zentrale Medieneinrichtung der EKD, ihrer Landeskirchen und Werke sowie der evangelischen Freikirchen, zu dem unter anderem die Zentralredaktion des Evangelischen Pressedienstes (epd) und das evangelische Monatsmagazin „chrismon“ gehören.

Mehr Geld für Studienwerk Villigst

Wesentlich seltener, aber auch im Papier zu finden, ist ein Plus bei den Ausgaben für einzelne Bereiche. So plant die EKD – zumindest nominal – etwa mehr Geld ein für das Studienwerk Villigst, weil die Bindung junger Heranwachsender als besonders wichtige Aufgabe betrachtet wird, sowie für die gemeinsam mit der Berliner Landeskirche getragene evangelische Akademie in der Hauptstadt. Die Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler soll 2030 etwa 106.000 Euro erhalten, statt 49.000 im Jahr 2019.

Wofür das EKD-Papier keine Hinweise gibt, ist die Finanzierung der zukünftigen Arbeit der Ortsgemeinden. Dafür sind die Landeskirchen zuständig, die die Kirchensteuern einnehmen und der EKD für bundesweite Arbeit über eine Umlage etwas abgeben. Nahmen sie 2019 noch 5,9 Milliarden Euro an Kirchensteuern ein, werden es 2030 den Prognosen zufolge noch 5,3 Milliarden Euro sein. Was das für die Kirche im Dorf bedeutet, wird weiter für Diskussionen sorgen.

1 DIREKT-KOMMENTAR

  1. Hier mal in die Kommentare schauen,
    https://www.welt.de/politik/deutschland/article219617778/Evangelische-Kirche-in-der-Krise-Koennen-nicht-so-weitermachen.html.
    Für mich spielt die Amtskirche kaum noch eine Rolle. In der Stadt sind die Gottesdienste Parteiveranstaltungen und auf dem Dorf fahre ich 20 km zum nächsten Pfarramt. Die Kapelle im Dorf vergammelt. Mein Sohn hat seit 3 Jahren kein Religionsunterricht. Hauptsache wir ereifern uns beim Zeichensetzen in der Welt, engagieren uns in sämtlichen Medien-trächtigen NGO’s. Hier werden wieder die Kirchenbezirke zusammengelegt damit es für den Christenmenschen und den Pfarrernachwuchs attraktiv wird.
    Meine Lösung Morgens lese ich das Te Deum Abends die Losungen, gerne ein Psalm. Ehrenamt bei den Johannitern.
    Eigentlich etwas wenig, aber was solls

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