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Wann wird das Nein zum Geld ein Ja zum Glück?

Out of the Box – Weil wir wunderbar gemacht sind

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Die zweiwöchentliche Kolumne von Tom Laengner


Das Telefonat mit einem jungen Fotografen regt Tom Laengner zu der Frage an: Wie viel Gewissen kann sich ein Freiberufler während Corona leisten?

Als im Taunus bei Frankfurt viel Schnee lag, habe ich unter Tannen mit meinen Kindern Feuer gemacht und Suppe gelöffelt. Das war ein Fest der Glückseligkeit! Demgegenüber konnte ich mit einer fetten Karre oder einem hohen Kontostand weder bei meiner Frau noch bei meinen Kindern punkten. Letztere waren damals noch zu klein und meine Liebste zu klug. Schein und Sein konnte sie immer gut auseinanderhalten. Nun will ich weder verelenden, noch bekomme ich Ekelpickel wenn ich meine EC-Karte für den Kauf einer Hose auf die Theke lege. Aber ich möchte nicht, dass ein Stück Plastik oder fälschungssicheres Papier uneingeschränkte Macht in meinem Leben bekommt.

Sind manche Jobs so hoch dotiert, weil sie eigentlich dermaßen scheiße sind, dass sie kein Mensch von Herzen und mit reinem Gewissen machen will?

Viele der mir wirklich lebensspendenden Dinge, kann ich nicht kaufen. Nicht ganz klar? Ich denke an Freude, die mich zum platzen bringt, sexuelle Erfüllung, oder die gute alte Liebe. Über viele andere Dinge gaukelt Geld mir etwas vor. Kontrolle und Freiheit bekomme ich nur in einem sehr begrenzten Maß. Acht Zylinder und 612 PS werden meine Ehe kaum retten. Und auch eine Krebserkrankung lässt mein Bankkonto unbeeindruckt.
So frage ich mich seit einiger Zeit, ob manche Jobs deshalb so hoch dotiert werden, weil sie eigentlich dermaßen scheiße sind, dass sie kein Mensch von Herzen und mit reinem Gewissen machen will. Möglicherweise entstand so der Trick mit dem überbordend hohen Gehalt. Geld fasziniert seit den Tagen von Dagobert Duck und übt eine Macht aus, die keinen Widerspruch zuzulassen scheint. Sie ist so stark, dass sie meine klare Sicht auf das vernebelt, was wirklich zählt.

Um klare Entscheidungen haben Menschen sich schon immer herumgewunden. Deshalb war es auch so sinnvoll, dass Jesus immer wieder mal seiner Zuhörerschaft das Wesen des Leben darlegte. Er brachte ein Grundproblem auf den Punkt als er sagte: “Sagt einfach ja oder nein“. Ich finde ja, dass der Mann aus Nazareth immer ein wenig mehr sagen wollte, als ich es verstehe. Aber ich weiß, dass ein klares ’nein‘ manchmal genauso wichtig ist wie ein deutliches ‚ja‘. Wäre das nicht stark: eine Entscheidung mal ohne Rechtfertigung und ohne Selbstbetrug zu treffen. Dafür aber mit reinem Gewissen. Aber wie soll das gehen?

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Heute früh rief ein befreundeter Fotograf an. Er suchte den Rat meiner Frau. Spontan war ein großer Auftrag reingekommen. Und das in Coronazeiten! Ein Global Player war als Sponsor am Start. Und die Reise nach Übersee war auch nicht zu verachten. Das klang überaus verlockend! Die Sache hatte nur einen kleinen Haken. Die Quarantänebestimmungen des Landes waren für den Job nicht einzuhalten. Da hatte der Auftraggeber eine Idee. Er riet, das Handy im Hotel zu lassen. So würden die Behörden denken, dass der Fotograf brav im Hotel Espresso schlürfen würde. Ich habe nicht darüber nachgedacht, ob das funktioniert hätte.
Doch das Telefonat war nicht die Zeit für dogmatische Grundsatzdiskussionen. In dem Gespräch ging es um die Frage, wie viel Gewissen sich ein Freiberufler in Coronazeiten leisten kann. Hatte er denn bei seiner dünnen Finanzdecke eine Wahl? Hatte er, fand meine Frau. Und sie ließ dann eine kleine Bombe platzen: „Ich wüsste nicht, ob ich dann noch für dich beten könnte“.

Wann habe ich das letzte Mal den Mut aufgebracht, ein klares Nein zu sagen, wo es dringend geboten gewesen war?

Ich hörte mit; und ich dachte, dass sie den armen Kerl doch nicht so unter Druck setzen könnte. Doch die Reaktion beruhigte mich. „Mal abgesehen davon, dass ich für diesen Sponsor eigentlich nicht arbeiten will“, fing der Freiberufler an, „verstehe ich , dass Gott sich auf so einen Deal nicht gut einlassen kann“.
Ich war stolz auf meine Frau, dass sie den Mut hatte, so klar ihrem Gewissen zu folgen. Und ich war stolz auf den jungen Fotografen, dem daran lag, ein reines Gewissen zu behalten und sich nicht durch Geld bestechen zu lassen.
Ich habe mir dann eine Tasse Kaffee gekocht. Dabei habe ich mich gefragt: Wann habe ich das letzte Mal den Mut aufgebracht, ein klares Nein zu sagen, wo es dringend geboten gewesen war?

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Out of the Box – Teil 2: Was müsste dein Bruder tun, damit du glaubst, dass er der Sohn Gottes ist?
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Out of the Box – Teil 8: Wann wird das Nein zum Geld ein Ja zum Glück?
Out of the Box – Teil 9: Wie viel Gewicht gebe ich meinem Gewicht?
Out of the Box – Teil 10: Betest du auch manchmal für einen Parkplatz?


Tom Laengner ist ein Kind des Ruhrgebiets. Nach 20 Jahren im Schuldienst arbeitet er journalistisch freiberuflich und bereist gerne unterschiedliche afrikanische Länder. Darüber hinaus arbeitet er als Sprecher für Lebensfragen und Globales Lernen. In seiner Kolumne „Out of the Box – Weil wir wunderbar gemacht sind“ schreibt er regelmäßig über Lebensfragen, die ihn bewegen.

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2 KOMMENTARE

  1. Mut steht bei solchen Fragen an erster Stelle. Ein klares Nein oder ein klares Ja beinhaltet mehr als tausend Worte. Und wer Hilfe von jemandem einfordert, der darf sich sicher sein, dass der Mensch der helfend und vom Herzen aus seine Hand reicht, objektiv handelt. Auch ich muss in dieser Zeit der Prüfung Entscheidungen treffen, die mein weiteres Leben betreffen. Ich dachte ich bin auf der Zielgeraden. Da kam Jesus zu mir und hat mich auf wunderbare Weise ins wahre Leben zurück geholt!💖

  2. Ein Nein zum Geld ?

    Ein Nein zum Geld – aber wäre dies schlicht Verleugnung von Realität? Über dies hinaus was Tom Laengner hier in seiner 2wöchigen Kolumne wieder an interessanten Gedanken zur Anregung formuliert, könnte man auch fragen: Sollte nicht das Geld überhaupt abgeschafft werden ? Ich meine dies nicht ironisch, sondern – hier eher als reale Utopie geäußert – es könnte möglicherweise wundervoll sein alles zu teilen. Über den christlichen Sozialismus gab es seinerzeit viele dünne und dicke Bücher, aber ihr Inhalt litt deutlich an dem Mangel, dass individuelle Begeisterung doch zunehmend eigenen Bedürfnissen im Wege stand. Das Geld kann schlicht nicht abgeschafft werden, genauso wie niemand aus der Welt aussteigen kann. Denn wichtige Gedanken von Jesus Christus sowie der Urgemeinde beschäftigten sich damit, dass Christinnen und Christen Sauerteig der Weltgesellschaft sein sollten. Oder heute Licht im alltäglichen Krampf im Wohlstand und Elend in armen Ländern. Hier geht es um das pure Gegenteil von Weltausstieg, sondern es ist die Einladung zum Einstieg. Aber macht sich nicht jeder schmutzig, der wesentliche Impulse zur Inovation gibt ? Vor vielen Jahren erzählte mir ein gläubiger Christ, damals Beamter und Ingenieur bei einem Bundeswehramt, wie begeistert er als Ingenieur sei über einer neue Bombe. Sie schäle jeden wie eine gekochte Kartoffel, wenn sie explodierte. Sind Soldaten und ihre Helfershelfer möglicherweise Mörder ? Es wird ja auch vieles verkauft, was Menschen ebenso schadet: Alkohol, Ballerspieler, Pornografie, im Spielkasino den vorgegaukelten hohen Gewinn, oder Waffen in Nichtkriegsgebiete die dennoch töten sollen. Geld regiert die Welt, man wird von Geld nicht glücklich und ohne es auch nicht. Geld ist das Prinzip, dass ich arbeite und dafür bezahlt werde. Von Bezahlung ist jeder abhängig. Wer viel mehr will, wird Bankräuber.

    Herr Laengner kommt dem Thema Ethik allgemeinverständlich sofort sehr nahe, weil dies zwangsläufig relevant wird, wenn man auf den Rolltreppen der irdischen Existenz nach oben fährt. Ein mit Millionen Euro jährlich bezahltes Salär, und sogar eine nur wenig niedrigere Entschädigung beim Rauswurf aus Machtgründen und/oder wegen Unfähigkeit, führt zwangsläufig zu der Vermutung: Da geschieht nicht nur Menschlichkeit, sondern pure Macht, Schweigen wird gut bezahlt, auch nach dem Austritt aus der Tretmühle. Zwar gibt es in einem Chor auch keine wirkliche Demokratie beim Singen, weil jede/r dem Dirigat bedingungslos folgen muss. Aber viele Menschen folgen auch zwangsläufig sozialen bzw. soziologischen Gesetzmäßigkeiten, die sie versklaven. Sie gehen nicht wie freie Menschen auf die Jagd, essen ihre Mahlzeiten nicht gemeinsam am Lagerfeuer und sind keine eingeschworene Gemeinschaft: Sie sind Angestellte. Sie tun was sie müssen und manches gegen ihr Gewissen.

    Es gibt für Christen, Atheisten, Nihilisten oder sonstige -Isten nur ein Königsweg: Höre auf dein eigenes Gewissen. Gewissen, gibt es so etwas überhaupt? Die Katholische Kirche verkündigt seit langem, dass die höchste irdische Instanz das menschliche Gewissen sei, welches sogar höhere Priorität besitzt als das Wort des Papstes in Glaubensfragen. Aber: Angeblich gibt es auch irrendes Gewissen. Gibt es dies nur bei Menschen die die Atombomben oder das Giftgas erfunden haben, oder die Gesetze formulierten, die gegen die Menschlichkeit verstießen? Ich als evangelischer Christ bekenne mich zu meiner Naivität, dass mein Gewissen eine andere Form der Sprache Gottes ist. Und notfalls kann ich den Chef selbst fragen. Das schließt nicht aus, dass Entscheidungen zwischen Pest und Colera immer vorkommen können. So ist das Leben, es beinhaltet Irrtum. Allerdings bin ich ziemlich fanatisch darin, dass ich Geld persönlich nicht für wichtig halte. Wahrschein müsste ich arm sein, um hier anders zu ticken.

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