Out of the Box – Weil wir wunderbar gemacht sind

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Die zweiwöchentliche Kolumne von Tom Laengner


Draußen tobt eine Pandemie. Zeit für Rückzug, oder? Tom Laengner merkt: Nächstenliebe belebt uns und andere – deswegen kann sie nicht warten.

Nee, Ostern war ich nicht Skifahren! Dafür war mein alter Bekannter, Lars, da. Er kam rein, lächelte mich über seiner Maske müde an und holte sein Desinfektionsspray raus. Zum Glück sprühte er es mit seinen vergilbten Fingern nicht auf den Biokuchen. Zielsicher traf er die Milchtüte und desinfizierte sie fachgerecht. Eine Tasse Kaffee später verließ Lars für ein paar Minuten den Raum. Auf dem Tisch hinterließ er eine kleine Pappschachtel. Darauf stand: Rauchen ist tödlich. Ach Lars, du alte Trantüte!

Durch den Türspalt wehte leichter Tabakgeruch übers Parkett. Ich war allein und dachte an eine Bildschirmpredigt vom Ostersonntag. Ein Pastor aus Atlanta hatte den Mann aus Nazareth zitiert. Ich war ganz Ohr. Denn was haut ein Mensch so raus, wenn er seinen nahen Tod ahnt? Eigentlich hatte alles in einen Satz gepasst. Doch diese wenigen Worte bekamen ein unermessliches Gewicht. Zusammengefasst klang das so: „So wie ich euch geliebt habe, so sollt ihr euch auch untereinander lieben“. Das war’s in etwa! Mehr musste nicht sein. Eine Aussage, die ein Grundschulkind verstehen kann. Zugegeben: Der Unterhaltungswert geht gefährlich gegen Null. Und duftende Wellness für die coronagebeutelte Seele ist nicht in Sicht. Aber dafür drücken mich Jesu Worte unmissverständlich auf den Fahrersitz. Der Inhalt hat das Potenzial, die Welt neu zu ordnen. Vom eigenen Leben ganz zu schweigen.

Menschen, die Jesus folgen wollen, kommen um den Anspruch der Liebe nicht herum

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Lars schlurft wieder rein. Bei einer zweiten Tasse Kaffee teile ich meine Gedanken. Der Sache mit der Liebe und der Verantwortung will oder kann er nicht so richtig folgen. Und hä? Schuld sind und bleiben für ihn traditionell die Funktionäre aus Politik, Kirche und Forschung, die für ihre viele Kohle ruhig mal was tun sollten. Selbstzufrieden nickt er und ordnet seine verbleibenden Kippen. Er muss dann auch los.
Für Menschen ohne Jesus erscheint Verdrängung als eine Option, wenn auch keine hilfreiche. Menschen, die Jesus folgen wollen, kommen um den Anspruch der Liebe nicht herum; was aber nachhaltig hilfreich ist.

Während der Pandemie bin ich einer Menge Christen begegnet, die nur noch die vertrauten Gottesdienstformen zurückhaben wollte. Andere hatten ihre finanzielle Zukunft fest im Blick und lechzten nach Segen für ihre ausgedorrten Seelen. Und wieder andere versuchten sich nahezu unsichtbar zu machen, um auf keinen Fall selber zu erkranken. Und das ist alles auch nachvollziehbar.

Hoffnung, Freude und Mut werden doch muffig, wenn ich anderen damit das Leben nicht lebenswerter mache.

Sollte ich Jesus daran erinnern, dass es gerade ein ganz schlechter Zeitpunkt für mich ist, dass er mit der Liebe um die Ecke kommt? Andererseits frage ich mich, worauf ich noch warten soll. Meine Welt ist doch voller Typen wie Lars.
Hoffnung, Freude und Mut werden doch muffig, wenn ich anderen damit das Leben nicht lebenswerter mache.

Es war das Jahr 1968, als der Bürgerrechtler Martin Luther King in Memphis eine Rede hielt. So klang das auf YouTube: „Ich stelle mir vor, dass die erste Frage, die der Priester und Levit stellte, war: ‚Wenn ich anhalte, um diesem Mann zu helfen, was wird mit mir geschehen?‘ Aber der barmherzige Samariter drehte die Frage um: ‚Wenn ich nicht anhalte, um diesem Mann zu helfen, was wird mit ihm geschehen?“ Auch so Worte, die ich nie vergessen werde.

Wäre es nicht wunderbar, dafür bekannt zu sein, das Leben anderer zu bereichern? Ob ich es so hinkriege wie Jesus? Zumindest dem guten alten Lars habe ich heute eine Freude gemacht. Und mein Herz fühlte sich dabei frei und warm an!

Out of the Box – Teil 1: Was gibt mir Energie?
Out of the Box – Teil 2: Was müsste dein Bruder tun, damit du glaubst, dass er der Sohn Gottes ist?
Out of the Box – Teil 4: Wie erkläre ich meinen Glauben im Zoom-Meeting?


Tom Laengner ist ein Kind des Ruhrgebiets. Nach 20 Jahren im Schuldienst arbeitet er journalistisch freiberuflich und bereist gerne unterschiedliche afrikanische Länder. Darüber hinaus arbeitet er als Sprecher für Lebensfragen und Globales Lernen. In seiner Kolumne „Out of the Box – Weil wir wunderbar gemacht sind“ schreibt er regelmäßig über Lebensfragen, die ihn bewegen.

1 DIREKT-KOMMENTAR

  1. Danke, lieber Tom, für diese Gedanken. Ja, so Lars-Typen gibt’s auch in meinem Leben.
    „Hoffnung, Freude und Mut werden doch muffig, wenn ich anderen damit das Leben nicht lebenswerter mache.“ Klasse Satz! Aber genauso ist es. Also lassen wir sie nicht muffig werden, sondern aufgehen in den Herzen der anderen.
    LG Henriette

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