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Hab ich’s drauf abzugeben?

Out of the Box – Weil wir wunderbar gemacht sind

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Die zweiwöchentliche Kolumne von Tom Laengner


Bedürftigen zu helfen ist Teil der christlichen DNA – oder nicht? Tom Laengner stellt sich diese Frage bei einer Radtour – und fasst einen Entschluss.

Eine lange Strecke mit dem Rad zu fahren ist kein Hexenwerk. Ich darf nur nicht aufhören, in die Pedale zu treten. Klingt leider einfacher als es ist. Aber solche Gedanken geben mir Kraft, wenn ich mich mit Ach und Krach über eine Steigung wuchte.

Am letzten Samstag gab es mal wieder so eine Situation. Doch eigentlich dachte ich die ganze Zeit an Jean Bosco. Vor ein paar Jahren hatten wir uns in Kigali kennengelernt, der Hauptstadt von Ruanda. Er war Sicherheitsmitarbeiter in einer Pension. Ich arbeitete im Land der tausend Hügel an einer Reportage über Fahrradkuriere. Auch ohne Kettenschaltung hätten diese robusten Jungs die Steigungen im Hügelland der Elfringhauser Schweiz mit links bewältigt. Doch mir tropfte schon das Wasser aus dem Fahrradhelm! Jean Bosco hatte eigentlich die schlanke Statur eines Bergfahrers der Tour de France. In seiner Wirklichkeit spielte Sport keine Rolle. Als Wachmann brachte er seine Kinder durch. Wir redeten und lachten miteinander und ein Jahr später aß ich bei ihm Zuhause mit seiner Familie Bohnen, Hühnchen und Reis. Irgendwie sind wir dann immer in Kontakt geblieben.

Von Krankheit gezeichnet

Eines Tages schickte er mir dann ein Foto über WhatsApp. Bosco war lebensbedrohlich erkrankt. Ich war erschüttert. Da lehnte der Mittdreißiger auf zwei hölzernen Gehstützen. Er wirkte verscheucht und erschrocken. In seinen Augen las ich die Frage, was wohl aus seiner Familie werden würde, wenn er stürbe. Von seinen 50 Euro Monatslohn hatte er schließlich keine Rücklagen machen können. Medizinische Versorgung war für ihn schwer zugänglich. Meine Frau und ich mussten weinen, weil er so schlimm aussah. Und auch jetzt auf dem Rad wusste ich, dass die Feuchtigkeit in meinen Augen nicht von einem verirrten Insekt herrührte. Würde es reichen, Gott um Heilung zu bitten? Wäre finanzielle Hilfe nicht ein Tropfen auf den heißen Stein? Mir war auch klar, dass ich nicht die Welt retten kann. Aber allein darauf warten, dass sich die gesellschaftlichen Verhältnisse ändern? Also, ich weiß nicht!

Geben – weil ich es kann

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Als ich die nächste Steigung in Angriff nahm, freute ich mich schon auf die  zu erwartende Abfahrt. Dabei kam mir der Spruch auf einem T-Shirt in den Sinn. Darauf stand : „Ich fahre ohne Akku, weil ich es kann“. Naja, warum soll nicht ein Hemd an etwas erinnern, was auch in der Bibel gefordert wird?

Weigere dich nicht, dem Bedürftigen zu geben, wenn deine Hand es vermag“, steht in dem Buch der Sprüche. Klingt etwas hölzern? Mag sein, aber ich finde es doch klar verständlich. Da hatte ich meine Antwort. Und überhaupt: Wen hätte Bosco um Hilfe fragen sollen? Und wie peinlich muss das Eingeständnis sein, es nicht zu bringen, für seine Leute daheim zu sorgen.

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Ich wollte nicht in seiner Haut stecken. So gab ich mir auf meinem Sattel  einen Ruck. Ich sprach zu mir: ‚Alter, mach dich nicht nass wegen ein paar hundert Euro!‘ Ja, das würde mir etwas wehtun. Ihm aber würde es guttun. Und wenn ich, nur mal so als Idee, in den nächsten Wochen beim Essen einsparen würde, dann hätte ich einen Gewinn. Mein Immunsystem würde es mir möglicherweise danken! Im Fall der Fälle kann das über Leben und Tod entscheiden. Also! So machte ich mir Mut und bin dann entspannt nach Hause geradelt und habe getan, was ich meiner Meinung nach eben tun musste.

Out of the Box – Teil 1: Was gibt mir Energie?
Out of the Box – Teil 2: Was müsste dein Bruder tun, damit du glaubst, dass er der Sohn Gottes ist?
Out of the Box – Teil 3: Was macht mein Herz frei und warm?
Out of the Box – Teil 4: Wie erkläre ich meinen Glauben im Zoom-Meeting?
Out of the Box – Teil 5: Von Pornoweltmeistern und Polenschlüsseln
Out of the Box – Teil 6: Darf ein Christ eigentlich Mikado spielen?
Out of the Box – Teil 7: Was macht die Barmherzigkeit barmherzig?
Out of the Box – Teil 8: Wann wird das Nein zum Geld ein Ja zum Glück?
Out of the Box – Teil 9: Wie viel Gewicht gebe ich meinem Gewicht?
Out of the Box – Teil 10: Ist mir das Paradies zu wenig?
Out of the Box – Teil 11: Betest du auch manchmal für einen Parkplatz?
Out of the Box – Teil 12: Geht’s auch verständlich?
Out of the Box – Teil 13: Wohin gehen Ungeimpfte am Sonntag zum Gottesdienst?


Tom Laengner ist ein Kind des Ruhrgebiets. Nach 20 Jahren im Schuldienst arbeitet er journalistisch freiberuflich und bereist gerne unterschiedliche afrikanische Länder. Darüber hinaus arbeitet er als Sprecher für Lebensfragen und Globales Lernen. In seiner Kolumne „Out of the Box – Weil wir wunderbar gemacht sind“ schreibt er regelmäßig über Lebensfragen, die ihn bewegen.

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1 KOMMENTAR

  1. Christinnen und Christen helfen

    „Christinnen und Christen helfen“, davon bin ich genauso überzeugt wie Tom Laengner. Der Weg umgekehrt funktioniert nicht: Wir können nicht warten bis sich die Gesellschaft ändert, die Menschheit die Güter der Erde teilt, bis der Krieg abgeschafft wird und die 10 Gebote eingehalten werden. Denn vielleicht werden die Menschen nie unsere Gesellschaft ändern wollen, wird der Krieg niemals verlernt und die Gebote bleiben immer und ewig nur solange gültig wie kein Waffengang erfolgt. So ist dies ja auch beim Hunger. Oder den sozialen Mißständen nicht nur in Ruanda. Bei der Klimarettung gibt es schönes diesbezügliches Totschlagsargument, solange es die vielen anderen Länder nicht tun würden oder können, hätte das alles keinen Sinn. Dann wird niemand zuerst anfangen, das Gute zu tun, in diesem Fall für alle Menschen und die Schöpfung.
    Wir müssen da wo wir helfen können, und wenn es nur Stückwert ist, es unbedingt tun.

    Jesus selbst hatte da den ganz praktischen Ansatz, als er das Gleichnis vom Barmherzigen Samariter erzählte. Jesus, der selbst ein frommer Jude war, erwähnt da ausgerechnet den nach jüdischem Verständnis halben Atheisten, einen Leugner des richtigen Glaubens, in Person des Samariters. Der findet und hilft dem unter die Räuber gefallenen völlig selbstlos und auf eigenen Kosten, während die Rechtgläubigen, Anständigen und andersweitig sehr Beschäftigten vorbeieilen. Was sagt mir dies: Erstens muss ich da wo mir der Hilfeschrei vor die Füße fällt unbedingt tätig werden. Zweitens sagt damit Jesus, also die Bibel und damit die überliefernde Urgemeinde, die das Geschehen für erkenntnisreich hielt, dass Nächstenliebe und eine entsprechende Hilfe sowie Unterstützung etwas an sich gutes ist. In den Augen Gottes ist daher die gute Tat, das soziale Engagement und damit menschliche Gerechtigkeit für alle Menschen, nicht nur für uns Christen, auch eine allein für sich betrachtet unbedingter der Wille des Himmels. Da wir Gott lieben sollen, unseren Nächsten und uns selbst, liebt auch Gott jeden Menschen, der je über diese Erde ging, und zwar völlig ohne jegliche Vorbedingung. Dass Gott alle Kinder sowie Jugendliche, Männer und Frauen liebt, auch die mit einem nicht der Norm entsprechenden Geschlecht, und/oder die mit einer entsprechend anderen Orientierung auf die Welt kommen. Die Liebe, aus der solche Gedanken in praktischer Form entstehen, finden wir in der Bergpredigt. Der Urgemeinde muss ein solch praktisches und auf hohem ethischem Stand stehendes Denken wichtig gewesen sein. Daraus erklärt sich ja auch für uns, dass Jesus als die menschgewordene Liebe des Vaters im Himmel für alle Menschen diese Erde am Kreuz gestorben ist. Dies ist das vorstellbare oberste Niveau von selbstloser Liebe. Wenn Gott so selbstlos ist wird er zwar jeden Menschen richten, aber im Sinne von Versöhnung, einer Aufrichtung und dass er alles wieder in Ordnung bringt, was wir auf Erden – zumeist unter dem Mangel an gegenseitiger Liebe – als menschliche und seelische Trümmer hinterlassen haben. Er ist der Gott, der nicht nur die Tränen des unter die Räuber gefallenen abwischt, sondern auch des Sünders, der sich völlig freiwillig noch im Himmel mit Gott gerne versöhnt. Es gibt nach psychologischer Überzeugung keine schlimmere Strafe, als unverdiente Liebe zu erhalten. Aber so ist Gott, er liebt noch viel mehr als irdische Eltern und Familien diejenigen, die auszogen und in der Welt unter die Räder kamen. Die Gesunden brauchen den Arzt nicht. Aber alle, die aus eigener oder sogar unserer eigenen Schuld im Leben scheitern. In diesem Sinne die Kranken gesund zu machen ist die eigentliche Heilung unserer Seelen. Nämlich dass die Lebenslast der Schuld von uns abfällt. Jesus sagte sinngemäß, dass alle die ihn lieben auch seine Gebote gerne halten werden.

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