- Werbung -

Gebet ohne Text singen

Beim „Harp & Bowl“-Modell singen die Teilnehmenden gemeinsam ein Gebet, bei dem der genaue Text und die Melodie im Voraus nicht feststehen. Gebetshausleiter Rainer Harter erklärt, wie das geht.

- Werbung -

Teil 5 der Serie „Wir beten, weil wir lieben“. Hier geht es zum ersten Teil.

Heute möchte ich eine Gebetsform vorstellen, die wir im Gebetshaus sehr häufig verwenden und bei der es eher nicht so ruhig zugeht. Uns macht sie richtig viel Freude, weil sie besonders für das gemeinsame Beten geeignet ist. Zudem finden in ihr alle Teilnehmer einer Gruppe einen aktiven Platz, auch diejenigen, die nicht gerne singen oder Schwierigkeiten mit Intonation oder Takt haben.

Vor Kurzem hielt ich zu dem Gebetsmodell, um das es gleich gehen wird, ein Tagesseminar im Theologischen Seminar St. Chrischona in der Schweiz. Der Tag hat uns allen viel Spaß gemacht und ich war wieder einmal erstaunt, wie schnell das sogenannte „Harp & Bowl-Modell“ von den Studentinnen und Studenten adaptiert und praktisch angewendet wurde.

Inspiriert durch die Offenbarung

Zuerst zum Namen des Modells und dann kurz etwas zu seinem Hintergrund: Die Bezeichnung „Harp & Bowl“ leitet sich bildlich von den Harfen und den Schalen voller Gebete ab, die im Buch der Offenbarung, Kapitel 5, Vers 8 erwähnt werden: „Und als er das Buch nahm, da fielen die vier Wesen und die vierundzwanzig Ältesten nieder vor dem Lamm, und ein jeder hatte eine Harfe und goldene Schalen voll Räucherwerk, das sind die Gebete der Heiligen.“

- Weiterlesen nach der Werbung -

In diesem Vers finden wir eine Kombination von Musik – für die die Harfen stehen – und Gebet. Auf der Grundlage dieses Abschnittes entstand der Name „Harp & Bowl“. Mir geht es hier um die praktische Verbindung und den Segen, den das „Harp & Bowl“-Modell, also die Kombination von Musik und Gebet, freisetzt.

Keine neue Gebetsform

An sich ist diese Form des Betens gar nicht neu, denn bereits im vierten Jahrhundert gab es den bis heute erhalten gebliebenen Ambrosianischen Gesang, der sogenannte Antiphonien, also Wechselgesänge, enthielt. Ganz ähnlich funktioniert das Harp & Bowl-Modell. Es gibt darin verschiedene Rollen, die von unterschiedlichen Personen besetzt werden, die im Wechsel das gesungene Gebet gestalten.

Die Stärke des Modells liegt in seiner Verbindungskraft. Auf der geistlichen Ebene verbindet es Anbetung und Fürbitte miteinander, auf der menschlichen Ebene führt es Leute mit unterschiedlichen Begabungen zu einem interagierenden, sich ergänzenden Gebetsteam zusammen. Im Kontext eines Gebetshauses hat die fruchtbare Verbindung von Anbetung und Fürbitte zur Folge, dass intensive Fürbitte über eine lange Zeit hinweg getan werden kann, ohne die Beter auszulaugen.

Die vier Teile von Harp & Bowl

Hier in Kurzform eine Erklärung, die veranschaulichen soll, wie das Harp & Bowl-Gebet gestaltet wird. Es gibt vier Hauptbestandteile:

- Werbung -

Zu Beginn und gegen Ende der Gebetszeit werden bekannte Lobpreis- und Anbetungslieder gesungen, um am Anfang den Fokus der Teilnehmerinnen und Teilnehmer klar auf Gott auszurichten und ihn am Ende der Gebetszeit noch einmal anzubeten.

Nach der einführenden Anbetungszeit treten folgende Rollen in Erscheinung: Es gibt neben der Lobpreisleiterin bzw. dem Lobpreisleiter noch eine Gebetsleiterin bzw. einen Gebetsleiter, einige Sängerinnen und Sänger und weitere Musikerinnen und Musiker.

Teil 1: Alle singen gemeinsam ein Psalmwort

Die Lobpreisleiterin bzw. der Lobpreisleiter leitet die Zeit des singenden Betens damit ein, dass er eine einfache Akkordfolge wiederholt, welche die Melodiegrundlage für den Gesang bildet. Das sollte er nur so laut tun, dass man die nun in Aktion tretende Gebetsleiterin bzw. den Gebetsleiter im Raum gut hören kann.

Dieser leitet nun in die musikalische Gebetszeit mit Worten ein wie: „Lasst uns heute gemeinsam Psalm 27, Vers 4 singen. Dort sagt David: ‚Eins habe ich vom HERRN erbeten, danach trachte ich: zu wohnen im Haus des HERRN alle Tage meines Lebens, um anzuschauen die Freundlichkeit des HERRN und nachzudenken in seinem Tempel.‘

Diese Verse wollen wir jetzt verwenden, um Gott unsere eigene Sehnsucht nach seiner Gegenwart zu zeigen. Lasst uns versuchen, zu der Akkordfolge, die gerade gespielt wird, alle gleichzeitig und für zwei Minuten diesen Vers zu singen – jeder in seiner eigenen Geschwindigkeit und zu seiner eigenen Melodie.“

Das wäre Teil 1: Alle singen gemeinsam dieses Psalmwort.

Teil 2: Alle singen gemeinsam den Refrain

Nun treten die vorher bestimmten Sängerinnen und Sänger in Aktion. Normalerweise gibt es drei Gesangsrollen, aber es funktioniert auch gut mit nur zweien. Die wichtigste Gesangsrolle nennen wir im Gebetshaus „Sängerin bzw. Sänger 1“. Diese Sängerin oder dieser Sänger hat nämlich eine besondere Aufgabe: Er oder sie bildet zu der weiterhin gespielten Akkordfolge einen einfachen Refrain, basierend auf den Worten des Psalms.

Es muss nicht wörtlich zitiert werden, eine Umschreibung mit eigenen Worten ist ebenfalls super. In unserem Beispiel könnte – nachdem das gemeinsame Singen des Verses abgeklungen ist – die Sängerin bzw. der Sänger 1 Folgendes singen: „Herr, ich sehne mich nach dir, denn alles bist du mir.“

Weil die Rollen vorher besprochen wurden, wissen nun alle: „Jetzt singen wir gemeinsam diesen Refrain!“ Der Refrain wird mindestens viermal wiederholt oder so lange, bis ihn alle gut auswendig mitsingen können. Die Musikerinnen und Musiker unterstützen den Refrain, indem sie lauter spielen oder indem mehr Instrumente zum Einsatz kommen – aber natürlich klappt das Ganze auch mit einer einzigen Gitarre.

Teil 3: Gebetsleiter setzt neuen Schwerpunkt

Nachdem der Refrain beendet wurde, setzt die Gebetsleiterin bzw. der Gebetsleiter einen neuen Schwerpunkt – während die Akkordfolge weiter gespielt wird. Er könnte betend sagen: „Herr, David trachtete danach, dir nah zu sein. Wir wollen heute auch darum beten, dass wir zu Menschen werden, die deine Nähe allezeit suchen. Bitte zieh uns in deine Gegenwart.“

Teil 4: Sänger vertiefen Gebet

Nun greift – bevor die anderen Sängerinnen und Sänger ins Spiel kommen – wieder Sängerin bzw. Sänger 1 den Faden auf und singt das vom Gebetsleitenden vorgegebene Gebet: „Herr, zieh uns in deine Gegenwart.“ Auch hier kann sie bzw. er frei formulieren, solange sie oder er beim Thema bleibt.

Hat Sängerin bzw. Sänger 1 sein Gebet gesungen, greift Sängerin oder Sänger 2 das Gebet singend auf und vertieft die Aussage mit seinen gesungenen Worten: „Ich bin so schnell mit den Gedanken woanders, hilf mir an deine Nähe zu denken.“ Gibt es eine Sängerin bzw. einen Sänger 3, vertieft sie oder er das ursprüngliche Gebet weiter, zum Beispiel so: „Hilf mir, mein Herz in deiner Gegenwart zu halten.“

Zuletzt greift die Lobpreisleiterin bzw. der Lobpreisleiter das Gebetsanliegen auf. Neben Sängerin bzw. Sänger 1 hat sie oder er die einzige weitere Gesangsrolle inne, die einen weiteren spontanen Refrain bildet. Das kann nach einer „Runde“ der Sängerinnen und Sänger geschehen, aber auch erst nach zwei.

Refrains sollten leicht zu singen sein

Übrigens: Wie lange die einzelnen Sängerinnen und Sänger singen, ist nicht festgelegt. Der eine singt vielleicht nur einen kurzen Satz, die nächste drückt ihr Gebet in mehreren Sätzen aus, dem nächsten fällt vielleicht gerade nichts Neues mehr ein und deshalb wiederholt er einfach das gesungene Gebet des Vorgängers.

Wichtig ist nur, dass die Refrains einfach zu merken und leicht zu singen sind, sodass alle anderen Hauskreisteilnehmerinnen und -teilnehmer sich leicht einklinken können. Den Refrain schließt immer die Lobpreisleiterin bzw. der Lobpreisleiter ab, indem sie oder er beispielsweise laut ausruft: „Lasst uns noch einmal den Refrain singen.“

Das war schon alles. Wer die Reihenfolge und die Rollen einmal verstanden hat, für den bildet das Modell eine wunderbare Grundlage für das gemeinschaftliche, gesungene Gebet. Nun können weitere Durchgänge folgen: Wieder gibt die Gebetsleiterin bzw. der Gebetsleiter ein Gebetsanliegen vor, wieder greift Sängerin oder Sänger 1 das Gebet auf, wieder vertiefen die Sängerinnen bzw. Sänger 2 und 3 und entweder vertieft die Lobpreisleiterin bzw. der Lobpreisleiter oder sie bzw. er bildet einen Refrain. Fällt ihr oder ihm keiner ein, ist wieder Sängerin bzw. Sänger 1 dran und kann entweder eine neue Runde des Singens starten oder einen Refrain.

Was machen die Hauskreisteilnehmer ohne Rollen?

Jetzt fragt ihr euch vielleicht, was denn alle diejenigen machen, die keine der Rollen innehaben. Ganz einfach: Sie singen bei den Refrains mit und – jetzt kommt eine Erweiterung – sie werden konkret eingebunden, indem die Gebetsleiterin bzw. der Gebetsleiter sie zum Beispiel nach einer mit einem Refrain abgeschlossenen Gebetsrunde zum Gebet ermutigt.

Sie oder er könnte sagen: „Während die Musik weiter spielt, möchte ich euch alle einladen, nacheinander kurze und laute Gebete zu unserem Anliegen aus Psalm 24 zu sprechen. Wenn niemand mehr betet, werden die Sänger einen Refrain singen, bei dem wir alle mitsingen.“

Oder sie bzw. er baut zu einem anderen Zeitpunkt ein Gebet in Zweiergruppen ein: „Lasst uns jetzt für ein paar Minuten in Zweiergruppen zusammenkommen und einander darin segnen, in Gottes Nähe zu leben. Die Sänger werden auch diesen Teil mit einem Refrain abschließen.“

So unkompliziert wie Autofahren

Vielleicht denkt ihr, dass das Harp & Bowl-Modell ganz schön kompliziert ist und man vor lauter Aufpassen, dass man seinen Einsatz nicht verpasst, ja gar nicht mehr an Gott denken kann … Aus jahrzehntelanger Erfahrung weiß ich, dass es mit dem Modell wie mit dem Autofahren ist.

Nach anfänglichen Fehlern denkst du nach einer Weile nicht mehr darüber nach, wo das Kupplungspedal ist und wie man kuppelt, um zu schalten – du tust es einfach. So wie das Auto dafür da ist, dich an ein Ziel zu bringen und du es genau dafür nutzt, so ist es auch mit dem Harp & Bowl-Modell: Es soll ein Vehikel sein und für das eigentliche Ziel genutzt werden: das gemeinsame, gesungene Gebet.

Nicht genervt sein, wenn es nicht gleich klappt

Ich erlebe dieses Modell als eine tolle Form des Betens, denn es verbindet mehrere Rollen, Inhalte und Formen miteinander. Eurem Hauskreis empfehle ich, es vielleicht ein paar Mal auszuprobieren. Und bitte: Nicht genervt sein, wenn es nicht gleich klappt – bei Fehlern lieber gemeinsam schmunzeln und weitermachen …

Ich empfehle für den Anfang, den Teil des gesungenen Gebets auf 20 Minuten zu beschränken, um dann mit ein oder zwei bekannten Anbetungsliedern abzuschließen. Geht dann in eine Austauschrunde und fragt euch gegenseitig, wie es für den einzelnen war: „Was war gut, was war komisch, gab es besondere Momente, hat das Modell das gemeinsame Gebet unterstützt?“ und so weiter.

Viel Freude beim Ausprobieren!

Rainer Harter ist Gründer des Gebetshauses in Freiburg. Er ist Autor der Bücher „Intimität mit Gott“, „Brannte nicht unser Herz?“, „Majestät“, „Die Gebetshausbewegung“ (alle SCM) und „Radical Love“ (Herder).

Auf YouTube findet ihr ein konkretes Beispiel zum Harp & Bowl-Modell aus dem Gebetshaus Freiburg. Wer sich intensiver mit dem Harp & Bowl-Modell beschäftigen möchte, findet in Rainer Harters Buch „Die Gebetshausbewegung“ mehr Informationen und Anleitung dazu.

Serie „Wir beten, weil wir lieben“:

Weiterlesen:

Du brauchst Gebet?

Lass online für dich beten > amen.de


Dieser Artikel ist im Hauskreismagazin erschienen. Das Hauskreismagazin ist Teil des SCM Bundes-Verlags, zu dem auch Jesus.de gehört.

Konnten wir dich inspirieren?

Jesus.de ist gemeinnützig und spendenfinanziert – christlicher, positiver Journalismus für Menschen, die aus dem Glauben leben wollen. Magst du uns helfen, das Angebot finanziell mitzutragen?

Zuletzt veröffentlicht